Mitarbeiter im Bosch-Verkaufshaus konnte die Küchenmaschine 1964 nur wärmstens empfehlen.
Geschichte

Formschönes Multitalent

Die Bosch-Küchenmaschine

5 Minuten

Schwedische Forscher hatten zu Beginn der fünfziger Jahre Erstaunliches herausgefunden, nämlich dass die Hausfrauen im Land eine größere Arbeitsleistung erbringen als die Arbeiter in der gesamten einheimischen Eisen- und Grubenindustrie.

Die Bosch-Küchenmaschine

Mit 3 700 Kalorien benötigten sie, gemäß den Forschungsergebnissen, den gleichen Tagesbedarf an Kalorien wie ein Lokomotivführer, um ihre vielfältige Tätigkeit zu bewältigen. Kraftaufwendige und schweißtreibende Handgriffe gehörten nicht nur in Schweden zum Repertoire einer jeden Hausfrau: Rühren, kneten, hacken, schnitzeln, passieren, pürieren, mahlen, reiben ... alles zum leiblichen Wohl der Familie.

Die Neuzeit im Haus

So machte man Hausfrauen 1952 glücklich – mit der Bosch Küchenmaschine
So machte man Hausfrauen 1952 glücklich – mit der Bosch Küchenmaschine

Die geplagte Hausfrau jedenfalls inspirierte Bosch-Ingenieure 1952 zu einem Gerät, das eine enorme Arbeitserleichterung im Haushalt brachte: die Bosch Küchenmaschine „Neuzeit“. Sie verrichtete mühelos alle kraftraubenden Handgriffe, und die Energie dafür kam ausschließlich aus der Steckdose.
Orientiert hatte sich die Entwicklungsabteilung an den Bosch-Elektrowerkzeugen. „Was für das Handwerkszeug des Mannes möglich war, musste auch für das Handwerkszeug der Frau möglich sein“, vermerkte die Mitarbeiterzeitung „Bosch-Zünder“ 1953 dazu.

Eine birnenförmige Platte bildete den Grundstock. Während sich am breiteren Ende Platz für eine Rührschüssel fand, war am schmaleren Ende der 400-Watt-Motor eingebaut. Die Küchenmaschine ließ sich problemlos kippen und konnte in stabiler Lage mit Hilfe des Fleischwolfaufsatzes große Mengen Fleisch zu Hackfleisch verarbeiten.

Weitere Funktionen boten der Mixer, das Passiergerät, die Kaffeemühle, die Schneide- und Raspelscheiben sowie die Rührschüssel mit Rührarm.
Das Multitalent erwies sich auch im Bereich Design als Treffer. Bei einer auf der Deutschen Industrie-Messe 1956 gezeigten Sonderschau erhielt die Küchenmaschine eine Auszeichnung als „formschönes Industrieerzeugnis“.

Die Bosch-Küchenmaschine 1952
Die Bosch-Küchenmaschine 1952

Die Küchenmaschine wurde damals mit Rezeptheft geliefert, das uns heute einen interessanten Einblick in die Essgewohnheiten der Wirtschaftswundergeneration gibt. Die entbehrungsreiche Kriegs- und Nachkriegszeit musste anscheinend mit jeder Menge nahrhaften Gerichten kompensiert werden.

Die allermeisten Gerichte wurden mit einer selbstgemachten Mayonnaise verfeinert, deren Zutaten im Mixeraufsatz in einem Bruchteil der Zeit vermischt wurden, die man mit einem Rührlöffel gebraucht hätte.

Mitarbeiter im Bosch-Verkaufshaus konnte die Küchenmaschine 1964 nur wärmstens empfehlen.
Mitarbeiter im Bosch-Verkaufshaus konnte die Küchenmaschine 1964 nur wärmstens empfehlen.

Blick in die Gegenwart

Die Küchenmaschine OptiMUM stoppt, wenn der Teig die richtige Konsistenz erreicht hat.
Die Küchenmaschine OptiMUM, die dank der Automatikeinstellung SensorControl Plus stoppt, wenn der Teig die richtige Konsistenz erreicht hat.

Die heutigen Bosch-Küchenmaschinen sind mit Automatik-Programmen SensorControl Plus und 1500 Watt Motor-Power ausgestattet. Das Grundprinzip ist das gleiche geblieben – auch wenn die Rezepthefte heute keine kalorienreichen Mayonnaise-Gerichte sondern eher vitaminreiche Smoothies beinhalten.

Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich, vor allem für das Magazin zur Bosch-Geschichte. Darüber hinaus betreue ich das historische Filmarchiv und bin Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre gelebt.

Aufnahme von Christine Siegel

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