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Geschichte

Frühe Autorennen mit Bosch

Bosch und der Beginn des Motorsports

Internationales Automobilrennen über den Klausenpass

Mit dem Magnetzünder entwickelte Robert Bosch sein erstes Produkt für die junge Automobilindustrie und legte damit den Grundstein für sein Motorsportengagement. Seit über 120 Jahren prägen legendäre Fahrer, extreme Bedingungen und wegweisende Technik den Rennsport.

Erfolge im frühen Motorsport

Nizza an der Côte d’Azur: Einen schöneren Ort unter der Frühlingssonne Südfrankreichs konnte man sich für ein Autorennen kaum vorstellen. An der palmengesäumten Promenade herrschte am 25. März 1901 aufgeladene Spannung, als sich die noch junge Gesellschaft der Automobilenthusiasten versammelte. Zwischen Meerblick und Maschinenlärm begann ein Rennen, dessen Bedeutung weit über den Tag hinausreichen sollte. Wilhelm Werner gewann im 35-PS-Mercedes das Rennen „Nizza–Salon–Nizza“ – ausgerüstet mit einer Bosch-Magnetzündung. Dieser Erfolg markiert den Beginn einer über hundertjährigen Ära voller Rennsportleidenschaft, technischer Innovation und unzähliger Bosch-Erfolge. Für Bosch war dieser Rennerfolg die überzeugendste Werbung für die Magnetzündung, denn unter den härtesten Bedingungen setzten sich nur Qualität und Präzision durch. Gleichzeitig lieferte ihr Einsatz im Extrembereich wertvolle Erkenntnisse, die direkt in die Weiterentwicklung der Produkte einflossen.

Der „Rote Teufel“ als Werbeikone

Camille Jenatzy im Auto und als Werbefigur
Camille Jenatzy, Gewinner des Gordon-Bennett-Rennens 1903, wurde zur Bosch-Werbefigur „Roter Teufel“

Bereits zwei Jahre später kam für Bosch ein weiterer Meilenstein hinzu. Beim 527 Kilometer langen Gordon-Bennett-Rennen in Irland 1903 trafen zwölf Fahrer auf widrigste Bedingungen. Offene Fahrzeuge, Staub, Regen und rutschige Straßen forderten Mensch und Technik heraus. Für Camille Jenatzy, den belgischen Rennfahrer, waren dies jedoch nur die Hälfte der Schwierigkeiten: Kurz vor dem Start war sein 90-PS-Mercedes ausgebrannt. Ein Ersatzwagen wurde gefunden – allerdings mit deutlich schwächeren 60 PS. Nach der ersten Runde nur auf Platz fünf, kämpfte sich Jenatzy mit seinem kompromisslosen Fahrstil nach vorne und fuhr schließlich einen spektakulären Sieg ein. Nur fünf Fahrzeuge erreichten das Ziel; viele scheiterten an technischen Problemen wie Lenkung, Hinterachse, Kühlung oder Reifen. Doch Jenatzys Mercedes lief zuverlässig – auch dank der Bosch-Magnetzündung. Bei der Siegesfeier hielt Robert Bosch eine emotionale Rede, die den Triumph und die technische Meisterleistung dieses außergewöhnlichen Rennens verdeutlichte.

Camille Jenatzy wurde nicht nur durch seine Siege, sondern auch durch seinen roten Bart und seinen waghalsigen Fahrstil zur Legende – und erhielt den Spitznamen „Roter Teufel“. Als erster Mensch überschritt er mit einem Straßenfahrzeug die Marke von 100 km/h. Bosch erkannte früh das Potenzial dieses charismatischen Rennfahrers. Ab 1909 war der stilisierte „Rote Teufel“ weltweit auf Plakaten und Anzeigen für Bosch-Magnetzünder und Zündkerzen zu sehen. Auf Messen erschien er sogar als große dreidimensionale Figur und wurde zum Blickfang jeder Veranstaltung.

Der Bosch-Renndienst – Entwicklung und Service direkt an der Strecke

Bosch-Renndienst-Fahrerlager 1950
Profis mit Werkstattwagen, der Bosch-Renndienst bei einem Autorennen auf der Solitude 1950

Robert Bosch wusste: Rennerfolge sind nicht nur Werbung, sondern perfektes Testfeld für neue Technologien. Hier konnten Produkte unter extremen Bedingungen getestet und wertvolle Erkenntnisse für die Serienfertigung gewonnen werden. Darum setzte das Unternehmen bereits 1911 eigene Mechaniker bei Rennen ein. Sie betreuten Magnetzündsysteme und Zündkerzen – ein Service, der schnelle Problemlösungen ermöglichte und wertvolle Erkenntnisse brachte. 1937 entstand aus dieser Idee der „Bosch-Hilfsdienst“, wenig später als „Bosch-Renndienst“ bekannt.

Der Renndienst begann seine Arbeit bei Gelände- und Bergrennen, und ab 1938 war er auf allen wichtigen klassischen Rennstrecken Deutschlands und Mitteleuropas präsent. Um allen technischen Anforderungen gerecht zu werden, erhielt der Renndienst 1938 einen mobilen Werkstattwagen auf Lkw-Basis. An Bord waren Prüfgeräte, Ersatzteile und alles Notwendige zur Wartung von Zündanlagen sowie elektrischen Komponenten wie Anlasser und Lichtmaschine.

Rudolf Caracciola – Ein Superstar der Silberpfeile

Werbeposter und Auto auf Rennstrecke
Rudolf Caracciola mit weiteren berühmten Rennsiegern 1935 und bei einem Rennen 1928

Neben technischen Innovationen prägten herausragende Fahrer die Geschichte von Bosch. Einer der bedeutendsten war Rudolf Caracciola. Mit 15 erhielt er den Führerschein, mit 21 gewann er sein erstes Motorradrennen, kurz darauf folgte der Einstieg in den Automobilsport. Für Mercedes errang der „Caratsch“ 137 Siege. Legendär wurde insbesondere sein Sieg beim Großen Preis von Deutschland 1926, als starker Regen einsetzte und Caracciola im strömenden Wasser ein beeindruckendes Rennen fuhr. Er prägte die Ära der Silberpfeile wie kein Zweiter, gewann sechsmal den Großen Preis von Deutschland und 1931 als erster Nicht-Italiener die Mille Miglia. Hinzu kamen Geschwindigkeitsrekorde – darunter 432,7 km/h im Jahr 1938 auf der Autobahn Frankfurt–Darmstadt.

Mehr Speed durch Software

Mehr als ein Jahrhundert nach den ersten Erfolgen hat sich der Motorsport grundlegend verändert. Was geblieben ist: extreme Belastungen, höchster Präzisionsanspruch und der Wille, Technik auf die Spitze zu treiben. Heute spielen Softwarelösungen eine zentrale Rolle. Bosch entwickelt Simulationsanwendungen, mit denen Fahrzeugperformance in virtuellen Umgebungen getestet wird, sowie Tools zur Echtzeitanalyse, die Parameter im Rennen innerhalb von Millisekunden optimieren. Hinzu kommt Software für zuverlässige Kommunikationsschnittstellen, damit Teams weltweit in Verbindung bleiben können – eine moderne Fortsetzung der Idee, die schon den frühen Renndienst geprägt hat: maximale Unterstützung, wo immer sie gebraucht wird.

Moderner Rennwagen mit Software
Software übernimmt in modernen Rennwagen zunehmend die Schlüsselrolle

Autorin: Carmen Senger

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