Mitarbeiter vor der US-Amerikanischen Vertretung 1913
Geschichte

Über den großen Teich. Bosch in Nordamerika

7 Minuten

Sich niemals entmutigen lassen und entschlossen anpacken – das könnte das Motto für die Geschichte von Bosch in Nordamerika sein. Zweimal baute sich das Unternehmen erfolgreich eine Existenz in Nordamerika auf und zweimal machte ein Weltkrieg alles zunichte. Doch der Neustart glückte auch ein drittes Mal und wurde zu einer Erfolgsgeschichte, die bis heute fortgeschrieben wird. Mit engagierten Mitarbeitern ist Bosch seit mehr als 110 Jahren in den USA, Kanada und Mexiko vertreten.

Eine wechselvolle Geschichte - Bosch in Nordamerika

Die erste groß angelegte Werbekampagne der Firma stand am Beginn der Geschichte von Bosch in Nordamerika. Eine Werbeanzeige in Zeitungen und Zeitschriften verkündete, dass der lange vermisste und sehnlich gewünschte Bosch-Magnetzünder nun endlich auch in den USA zu haben sei. Als der bei Bosch für den internationalen Verkauf zuständige Direktor Gustav Klein die potenziellen Kunden persönlich besuchte, konnte er Aufträge im Wert von einer Million US-Dollar abschließen. Damit verdoppelte sich der Umsatz des Stuttgarter Unternehmens innerhalb eines Jahres.

Ein solches Auftragsvolumen musste vor Ort organisiert werden, weshalb Bosch am 6. September 1906 die Vertriebsgesellschaft Robert Bosch New York, Inc. gründete. Die 1908 in Bosch Magneto Company umbenannte Gesellschaft gründete in den Jahren 1908 bis 1911 Niederlassungen in Chicago, San Francisco und Detroit sowie im kanadischen Toronto. Ständig steigende Aufträge und eine bis an die Grenzen ausgelastete Fabrik in Stuttgart führten dazu, dass sich Bosch entschied, ab 1912 in den USA zu produzieren. Die beiden Weltkriege bedeuteten jeweils tiefe Einschnitte für das Bosch-Geschäft in Nordamerika. In den USA wurden die Bosch-Gesellschaften, die auch für den kanadischen Markt zuständig waren, zweimal kriegsbedingt enteignet und mühevoll wieder aufgebaut. Die Vertretung für Bosch-Produkte in Mexiko war seit 1922 an wechselnde Agenten gegangen.

Doch in den 1950er Jahren kam wieder Schwung in das Nordamerika-Geschäft.

Dreifacher Neustart in den USA, Kanada und Mexiko

Das Bosch-Verkausfshaus in Mexico-City, 1982
Das Bosch-Verkausfshaus in Mexico-City, 1982

La bujia de los exitos – mit diesem Spruch auf dem Rücken, der frei übersetzt „Kerze des Erfolgs“ lautet, gingen zwei Mercedes-Rennfahrer bei der Carrera Panamericana 1952 an den Start. Neben anderen Faktoren sicherte die Zuverlässigkeit der Bosch-Zündkerze den beiden nach 3112 Kilometern den Sieg. Gleichzeitig machte die Erfolgskerze auch den Namen Bosch in Mexiko, wo das Rennen ausgetragen wurde, in größerem Stil bekannt. Zwar gab es dort schon Bosch-Produkte zu kaufen, aber erst zwei Jahre später übernahm die Export-Import Mexicana Internacional (EIMISA) die Bosch-Vertretung. Sie wurde 1969 von Bosch übernommen und ist die Keimzelle der heutigen mexikanischen Regionalorganisation.

Bosch-Renndienst in Harewood Acres, Kanada, 1960
Bosch-Renndienst in Harewood Acres, Kanada, 1960

Im selben Jahr 1954 ging auch die Robert Bosch (Canada) Ltd. in Montreal an den Start. Ihre Aufgabe waren Vertrieb und Kundendienst von Bosch-Produkten im Land. Es war die erste eigenständige Regionalorganisation in Kanada. Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Geschäft dort immer über eine kanadische Filiale der US-amerikanischen Bosch-Gesellschaft organisiert worden. 

Obwohl Bosch auch in den USA 1953 wieder eine Niederlassung gründete, dauerte es bis in die späten 1960er Jahre, bis das Geschäft wieder richtig anlief. Größere Investitionen und Geschäftserweiterungen führten in den Jahren von 1965 bis 1975 dazu, dass sich der Umsatz der Robert Bosch Corporation verzehnfachte. Da offensichtlich noch viel mehr Potenzial auf dem nordamerikanischen Markt schlummerte, erklärte die Bosch-Geschäftsführung Ende der 1970er Jahre diesen zur obersten Priorität ihrer Aktivitäten. 

In Mexiko wurde schon seit 1966 in Toluca produziert. Und die kanadische Bosch-Gesellschaft zog 1974 nach Mississauga/ Ontario um. Dort ist bis heute die Zentrale der Robert Bosch Canada. 

Bosch ist wieder Bosch

Prospekt Robert Bosch Corporation

Am Ende des Zweiten Weltkrieges war die Marke Bosch in zahlreichen Ländern enteignet worden. Während sie in den meisten davon jedoch in den frühen 1950er Jahren wieder zurückerworben werden konnte, sollte dies in den USA fast 40 Jahre lang dauern. Bis dahin mussten Bosch-Produkte in den USA mit „Bosch Germany“ oder „Robert Bosch“ gekennzeichnet werden. Erst 1983 wurde eine Vereinbarung mit der Firma United Technologies Corporation getroffen, die die enteigneten Markenrechte 1945 gekauft hatte, und nach langen Verhandlungen auf die Rechte an der Marke „American Bosch“ verzichtete. Damit war Bosch auf der ganzen Welt endlich einheitlich wieder „BOSCH“.

  • Bosch-Werk in Toluca, Mexiko
    Bosch-Werk in Toluca, Mexiko
  • Bosch Research and Technology Center in Sunnyvale, USA
    Bosch Research and Technology Center in Sunnyvale, USA
  • Schulungs- und Kommunikationsanwendung für die Industrie 4.0 bei Poka Inc, Quebec, Kanada
    Schulungs- und Kommunikationsanwendung für die Industrie 4.0 bei Poka Inc, Quebec, Kanada

Nordamerika - ein wichtiger Markt für Bosch

Mitte der 1990er Jahre wurden 78 Prozent der in den USA verkauften Bosch-Produkte auch in den USA hergestellt. Neue Produktionsstandorte entstanden durch Übernahmen und auch bestehende Werke wurden kontinuierlich ausgebaut. Am 1. Januar 1994 trat das North American Free Trade Agreement (NAFTA) zwischen USA, Kanada und Mexiko in Kraft. Dieses Freihandelsabkommen verlieh dem Nordamerika-Geschäft erneut Aufschwung. Im Zuge dessen entstanden vor allem in Mexiko neue Bosch-Standorte. Heute ist Bosch an über 100 Standorten erfolgreich in Nordamerika vertreten. In Produktion, Forschung und Vertrieb arbeiten dort mehr als 35 000 Mitarbeiter für das Unternehmen.

Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich, vor allem für das Magazin zur Bosch-Geschichte. Darüber hinaus betreue ich das historische Filmarchiv und bin Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre gelebt.

Aufnahme von Christine Siegel

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