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Geschichte

Umweltschutz bei Bosch

Wie sich der Umweltgedanke der 1970er Jahre bis zu Klimaneutralität entwickelte

Das Bild zeigt ein grünes Auto.

Die Auswirkungen industrieller Fertigung auf Luftqualität und Natur war schon seit Beginn der Industriellen Revolution sichtbar. Es dauerte jedoch noch sehr lange, bis sich ein breites Bewusstsein für die Belastungen der Umwelt und der Wille zur Veränderung entwickelte. Der wirtschaftliche Aufschwung der 1950er und 1960er Jahre hatte vor allem in Europa und Nordamerika noch einmal sichtbare Umweltbelastungen nach sich gezogen. Deshalb entstand Anfang der 1970er Jahre eine Bewegung, die Umweltschutz und Ressourcenschonung zum Ziel hatte. Dies fand auch bei Bosch seinen Niederschlag und entwickelte sich kontinuierlich weiter bis zur CO₂-Neutralstellung im Jahr 2020.

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Einen ersten Anstoß gab 1961 die Forderung des Sozialdemokraten Willy Brandt, der Himmel über dem Ruhrgebiet müsse wieder blau werden. Im größten städtische Ballungsraum der Bundesrepublik Deutschland verdeckten Ruß und Rauch aus der Kohleproduktion den Himmel und machten die Menschen dort nachweislich krank.

Als Brandt 1969 deutscher Bundeskanzler wurde, richtete er die Position eines Naturschutzbeauftragten ein. Giftmüll-Skandale und sterbende Wälder betrafen jedermann, Umweltschutz wurde zu einem gesellschaftspolitischen Thema, sodass 1971 ein erstes Programm von der deutschen Regierung zum Umweltschutz aufgelegt wurde.

Am 22. Juli 1974 legte das Umweltbundesamt mit rund 170 Mitarbeitenden am Bismarckplatz in Berlin los. © UBA, Berlin
Am 22. Juli 1974 legte das Umweltbundesamt mit rund 170 Mitarbeitenden am Bismarckplatz in Berlin los. © UBA, Berlin

Umweltschutz wurde aber nicht nur zu einem deutschen, sondern zu einem internationalen Thema. Ebenfalls ins Jahr 1971 fällt die Geburtsstunde der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die im kanadischen Vancouver gegründet wurde. Wachstumskritische Studien wie etwa der 1972 veröffentlichte Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome oder internationale Initiativen wie die im selben Jahr erstmals veranstaltete UN-Umweltkonferenz in Stockholm erregten Aufmerksamkeit. Zwei Jahre später entstand in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Umweltbundesamt die erste wissenschaftliche Umweltbehörde in Europa.

Umweltschutz bei Bosch

Diese gesellschaftliche Entwicklung fand ihren Nachhall in der Konzernzentrale bei Bosch. Der Geschäftsbericht der Robert Bosch GmbH für 1970 führte unter der Rubrik „Forschung und Entwicklung“ erstmals den Punkt „Umweltschutz“ auf. „Die ständig wachsende Bedeutung des Umweltschutzes und die Verschärfung der gesetzlichen Vorschriften verlangen eine stärkere Beachtung der mit dem Umweltschutz zusammenhängenden Fragen.“ Dies vermerkte die erste Bosch-Umweltschutzrichtlinie, die als erste umfangreiche Maßnahme am 1. Januar 1973 in Kraft trat.

Wesentliche Aspekte waren die Abfallbeseitigung, Lärmschutz sowohl in der Fertigung als auch bei den Produkten selbst, die Abwasserreinigung sowie die Minimierung von schädlichen Abgasen durch die Weiterentwicklung der Kraftstoffeinspritzanlagen sowie der Strahlenschutz. Das Thema wurde zur Chefsache ernannt und bei Geschäfts- und Werkleitungen angesiedelt. Parallel dazu stiegen die Investitionen für Umweltschutzmaßnahmen in der gesamten Bosch-Gruppe von Jahr zu Jahr an.

Umwelt- und Ressourcenschutz im Produkt

Abgasmessung mit dem Vierkomponenten-Lambda-Abgasmessgerät, 1992
Abgasmessung mit dem Vierkomponenten-Lambda-Abgasmessgerät, 1992

Es blieb aber nicht dabei, Umweltschutz nur im unternehmerischen Handeln zu verankern. Er wurde auch in der Entwicklung von Produkten etabliert. Dabei konnte Bosch auf eine lange Tradition in der Entwicklung ressourcensparender Produkte zurückgreifen. Ganz bewusst in den Mittelpunkt rückten die Bosch-Entwickler diesen Aspekt erstmals bei Hausgeräten und in der Konsequenz auch in deren Produktwerbung. Bei der Kraftfahrzeugtechnik von Bosch, zumeist Erstausrüstung für Neufahrzeuge, war dieser Nutzen von Bosch-Technik für die Käufer nicht sichtbar, aber die Autohersteller als Erstausrüstungskunden profitierten von Bosch-Technik.

Diese half Kraftstoff sparen und machte die Fahrzeuge für die autokaufenden Kunden attraktiv. In der Kraftfahrzeugtechnik kam in den 1960er Jahren ein zweites Ziel ins Spiel: die Senkung der Emissionen bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. So leistete Bosch 1967 mit der ersten elektronisch gesteuerten Benzineinspritzung D-Jetronic einen wichtigen Beitrag zur Abgasreduzierung bei Automobilen. Die Weiterentwicklung der Einspritzsysteme setzte diese Richtung fort und ermöglichte immer ökonomischere Motoren. Sie sorgten in Verbindung mit einem Dreiwegekatalysator und der von Bosch entwickelten Lambda-Sonde (1976) für die Reduktion der Abgase um bis zu 90 Prozent.

„Sicher, sauber, sparsam“ als Entwicklungsziel

Schriftzug des 3-S-Programms, das 1973 ins Leben gerufen wurde.
Schriftzug des 3-S-Programms, das 1973 ins Leben gerufen wurde.

Als übergeordnetes Entwicklungsziel des Unternehmensbereichs Kraftfahrzeugtechnik wurde von der Geschäftsführung Ende 1973 schließlich das „3-S-Programm“ ins Leben gerufen. Darin wurden die zwei Aspekte Emissionsreduktion (Sauberkeit), und der Begriff der Sparsamkeit um einen weiteren ergänzt, für den das dritte „S“ stand: die Sicherheit für Fahrzeuginsassen und andere Verkehrsteilnehmer. Aber auch an alternativen Antriebsmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge jenseits des Verbrennungsmotors wurde seit der zweiten Hälfte der 1960er Jahre bei Bosch geforscht. In den 1970er Jahren stellte das Unternehmen sowohl Elektro- als auch Hybridprototypen der Öffentlichkeit vor, die den Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor kombinierten.

Umweltfreundliches aus anderen Geschäftsbereichen

Werbeanzeige für einen FCKW-freien Bosch-Kühlschrank, 1993

Kluge Lösungen

Auch die anderen Bosch-Geschäftsbereiche wurden aktiv. Ab dem Sommer 1976 baute der Bosch-Geschäftsbereich Thermotechnik auf dem Werksgelände in Wernau nahe Stuttgart ein experimentelles Einfamilienhaus, das die Möglichkeiten des Energiesparens mit neuester Technik beweisen sollte. Die handelsübliche Gas-Zentralheizung diente nur als Reserve für sehr kalte Wintertage. Ansonsten sorgten eine Wärmepumpe, die der Außenluft Wärme entzog, und Solarkollektoren für warme Zimmer und heißes Wasser. „Tritherm“-Haus wurde dieses Konzept genannt – nach den drei genutzten Wärmequellen. Die Resultate waren beeindruckend: Im optimalen Fall ließ sich die Menge nötiger fossiler Energie um 90 Prozent senken. Es war ein Vorbote für intelligentes Energiemanagement für Gebäude.
Anders als diese experimentellen Spitzenwerte konnten die Bosch-Entwickler von Waschmaschinen, Kühlschränken oder Heizthermen durch ihre Arbeit den Wasser-, Strom- oder Gasverbrauch von Serienprodukten kontinuierlich um moderate Werte verringern, die sich letztendlich erheblich summierten: So ist der Stromverbrauch von Bosch-Kältegeräten seit 1990 um bis zu 80 Prozent gesunken.

Position beziehen

Am Bosch-Standort Nashik in Indien ist die größte Photovoltaik Anlage dieser Art in der indischen Automobilindustrie entstanden, 2020
Am Bosch-Standort Nashik in Indien ist die größte Photovoltaik Anlage dieser Art in der indischen Automobilindustrie entstanden, 2020

Aus diesen Maßnahmen und Programmen erwuchs eine immer deutlichere ökologisch akzentuierte Positionierung von Bosch. 1996 verabschiedete die Unternehmensführung zehn Grundsätze zum Umweltschutz, der gleichrangiges Ziel neben der Qualität der Erzeugnisse und der Wirtschaftlichkeit wurde. Mit der Veröffentlichung des ersten Umweltberichts 1998 gab Bosch erstmals einen Gesamtüberblick über die Aktivitäten des Umweltschutzes – von der Entwicklung über die Produktion bis zum Ende des Verwendungszyklus der Erzeugnisse. Die seitdem regelmäßig erscheinenden Berichte machen vor allem eines deutlich: es geht um einen kontinuierlich fortzusetzenden Prozess sowohl in der Verantwortung für den blauen Planeten als auch für wirtschaftlichen Erfolg. Ohne all dies Vorarbeiten wäre die Umsetzung der CO₂-Neutralstellung im Jahr 2020 nicht möglich geworden.

Kathrin Fastnacht

Seit 2007 bin ich Leiterin der Historischen Kommunikation bei Bosch und beschäftige mich mit der Bewahrung und Vermittlung unserer Unternehmensgeschichte. Zuvor war ich über 10 Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Selbstständige in verschiedenen Museen tätig. Als promovierte Historikerin und Kulturwissenschaftlerin will ich zeigen, dass Geschichte nicht verstaubt sondern aktuell und spannend ist - denn Zukunft braucht Herkunft.

Aufnahme Kathrin Fastnacht

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