Alejandro Agag, Vorsitzender der Formel E, vor einem Hintergrund, der einen Rennwagen der Formel E zeigt.
Alejandro Agag

Formel E – Zukunftslabor der Mobilität

Im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Formel E

7 Minuten

07.11.2019

Wer einen Blick in die Zukunft der Mobilität wagen will, braucht keine Zeitmaschine. Wenn es nach Alejandro Agag, dem Vorsitzenden der Formel E, geht, existiert die Welt von morgen schon heute: in der Motorsport-Serie Formel E.

„Die ABB FIA-Formel-E-Meisterschaft ist ein Labor der Elektromobilität, es ist eine Plattform, auf der große Marken und Rennteams Technologien entwickeln können, um Rennen zu gewinnen und diese Technologien dann bei Serienfahrzeugen zu nutzen”, sagt Alejandro Agag. Seit 2012 steht der Spanier der Formel E vor, die 2014 als Elektro-Rennserie an den Start ging. In dieser Zeit gelang es Agag, den Transfer zwischen Renn- und Serientechnologie zu intensivieren und gleichzeitig Technologie und Emotion zusammenzubringen. „Wir müssen die Fans begeistern. Wir müssen sie mit etwas Wahrhaftigem locken, mit richtigem Sport und richtigen Duellen.“ Das große Ziel ist nun, sich dem großen Bruder Formel 1 zu nähern.

Alejandro Agag während eines Interviews.

Das ist eine große Herausforderung, aber der Zeitgeist ist auf Agags Seite: denn die Elektromobilität hat Schwung aufgenommen. Die Zahl der Elektroautos wuchs im Laufe des Jahres 2018 weltweit um 64 Prozent auf mehr als 5,6 Millionen. „Die Automarken modifizieren ihre Produktionslinien, um sich an die E-Mobilität anzupassen. Die Welt verändert sich, und sie verändert sich in unsere Richtung.“

Mehr als 300 Millionen

Zuschauer verfolgten mindestens ein Rennen der Formel E in der Saison 2018.

Ein elektrisch angetriebener Rennwagen der Formel E wird auf der Bosch-Connected-World-Konferenz gezeigt.

Durchschnittlich waren 2018 27,1 Millionen Menschen Zeuge eines Formel-E-Rennens, eine deutliche Steigerung um 18,6 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Die Motorsport-Serie Formel E, von ESPN als „Endspiel der Motorsport-Technologie“ betitelt, wird so zum Schaufenster, das die großen Autofirmen anlockt. Audi, BMW, Jaguar, Mercedes, Nissan, Porsche und Renault haben den Formel-E-Einstieg gewagt. Die Hersteller erwarten wichtige Impulse für zukünftige Serienmodelle – wenn nicht mehr: „Die Formel E zeigt in sehr konkreten Beispielen, wie sich Technologien entwickeln. Sie präsentieren ultraschnelles Laden und die Verbesserung der Software, die der Schlüssel für die beste Energieübertragung im Antriebsstrang von Elektroautos ist. Es gibt viele Wege, wie die Formel E die Technologien der Elektromobilität nach vorne bringen kann“, glaubt Agag. „Die Formel E wird somit die wichtigste Rennserie in Bezug auf Technologie-Transfer.“

Je Formel-E-Rennen nur eine Batterie

Ein großer Schritt war die Entwicklung hin zu einer Batterie, mit der die Rennwagen nun ein ganzes Rennen lang durchhalten. Bis 2018 wurden die Formel-E-Autos noch einmal pro Rennen komplett ausgetauscht.

„Ich denke, das ist der große Erfolg der Formel E: Dass sie weiterhin ein Labor für die Entwicklung der Technologien ist, um der Öffentlichkeit zeigen zu können, dass Elektroautos immer länger fahren können und jedes Jahr schneller werden.“

Alternativen zu Lithium-Ionen-Akkus im Blick

Dabei sieht der Gründer der Rennserie für Elektroautos beispielsweise die derzeitige Lösung mit Lithium-Ionen-Akkus nicht als gesetzt an. „Wir prüfen jede Alternative. Wir haben eine Lizenz, um mit jeder Art von Energiequelle oder Energiespeicher, die einen Elektromotor antreibt, Rennen zu fahren.

Das kann Wasserstoff sein, das können Superkondensatoren aber auch Batterien sein.“ Die derzeit einzig praktische Lösung sind laut Agag jedoch Batterien – auch wenn sich deren chemische Zusammensetzung durchaus ändern könne. Alternativen hat er im Blick.

Die urbane DNA des Formel E Motorsports

Für das zweite wichtige Merkmal der Formel-E-DNA – über den Elektroantrieb hinaus – gibt es jedoch keine Alternativen: „Wir fahren Rennen in der Stadt. Wir sind die einzige Rennserie der Welt, die in den Städten fährt.“ Der Grund ist einfach: “Wir wollen die Show näher an die Menschen herantragen. Dorthin, wo die Menschen leben.“

Agag ist wichtig, die elektrisch angetriebenen Autos in jenem Umfeld vorzuführen, wo sie auch in der Straßenversion am ehesten zum Einsatz kommen – in der Stadt. Das ist möglich, weil die Autos lokal emissionsfrei unterwegs sind und auch keine Lautstärkengrenzen brechen. Für Agag vielleicht das wichtigste Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Formel 1: „Darum ist die Formel E so einzigartig. Sie ist die Championship der Stadtkurse.”

Interview mit Alejandro Agag, Vorsitzender der Formula E

Ein Portraitfoto von Alejandro Agag, Vorsitzender der Formel E Holdings.

Alejandro Agag, 49

Vorsitzender der Formula E Holdings

Hauptzweck der Formel E? Mehr Elektroautos auf den Straßen.

Der Spanier Alejandro Agag studierte BWL in Madrid und war Berater des Ministerpräsidenten José María Aznar. Er war unter anderem Generalsekretär der Europäischen Volkspartei und wechselte 2003 in die Wirtschaft, 2008 wurde er vom Magazin GQ als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet. 2012 gründete er die Firma Formula E Holdings und war deren CEO bis 2019. Seither fungiert er als Vorsitzender der Formula E Holdings.

Fazit

Für Alejandro Agag ist die Zukunft der Mobilität elektrisch – deswegen sieht er in der Formel E die Zukunft. Für ihn ist die Elektro-Rennserie ein Labor, in dem die Welt von Morgen schon jetzt zur Aufführung kommt. Für den Motor der Zukunft sieht er verschiedene Möglichkeiten – Wasserstoff, Superkondensatoren, Batterien.

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