Bosch-Wagenheizer mit Scheibenentfroster, eingebaut in einen Mercedes, 1938
Geschichte

Wohlige Wärme bei eisiger Kälte – Vom Bosch-Wagenheizer zum Thermomanagement

5 Minuten

Pelze, Decken, Fußsäcke – ohne kälteschützende Ausstattung konnte eine Autofahrt im Winter zu einer ziemlich frostigen Angelegenheit werden. Viele Neuentwicklungen hatten das Fahren im Automobil nach den abenteuerlichen Anfangsjahren erleichtert: zuverlässige Zündanlagen, elektrische Beleuchtung, Anlasser, Hupe, Scheibenwischer – doch noch Mitte der 1930er Jahre verfügte nur ein kleinerer Teil der Fahrzeuge über eine brauchbare Wagenheizung. Damit auch in der kalten Jahreszeit die Benutzung des Autos als bequem und angenehm empfunden werden konnte, stellte Bosch im Oktober 1936 den „Bosch-Wagenheizer“ vor.

Der Bosch-Wagenheizer – einfach, aber wirksam

Bosch Wagenheizer Typ XY/B620/3 aus dem Jahr 1946
Bosch Wagenheizer Typ XY/B620/3 aus dem Jahr 1946

Durch seine kompakte Bauart ließ sich der Wagenheizer gut in den verschiedenen Fahrzeugtypen unterbringen. In den meisten Fällen im vorderen Teil des Wagens an der Spritzwand unterhalb des Armaturenbretts, möglich war aber auch der Einbau hinter den Vordersitzen. Im Prinzip war der Bosch-Wagenheizer eine einfache Warmwasser-Heizanlage, die das im Motor erhitzte Kühlwasser durch den Heizkörper im Wageninnern führte und dort die mit Rippen versehenen Heizrohre erwärmte. Durch einen elektrisch angetriebenen Windflügel wurde die Kaltluft aus dem Fahrzeuginneren angesaugt, am Heizkörper erwärmt und seitlich, den Wagenwänden entlang, wieder als Warmluft abgegeben.

Verfügte das Fahrzeug bereits über Schlitze zum Einbau von Entfrosterdüsen (wie etwa die meisten amerikanischen Fabrikate), konnte ein Teil der Warmluft abgezweigt und gegen die Windschutzscheibe geblasen werden – „gegen Eisbildung von außen und Beschlagen von innen“.

Angenehme Temperaturen im Auto durchs ganze Jahr

Der Bosch-Wagenheizer beschränkte sich in seinem Einsatz jedoch nicht nur auf den Winter. Seine Heizleistung konnte durch die Drehzahlregelung des Windflügelantriebs mit einem Regulierschalter vermindert oder erhöht werden. An heißen Tagen im Sommer ließ sich der Heizwasserkreislauf durch Schließen der Wasserhähne auch abschalten. Dann erzeugte der Windflügel eine „nicht als Zug empfundene Luftbewegung und damit eine gewisse Kühlwirkung“ – so herrschten im Fahrzeug über das ganze Jahr hinweg angenehme Temperaturen.

Die Fahrt im Auto gewann mit dem neuen Produkt ganz erheblich an Komfort. Als Zubehör- bzw. Nachrüstteil war der Wagenheizer bei Bosch bis in die späten 1950er Jahre präsent.

Einbaubeispiele des Wagenheizers aus der technischen Beschreibung von 1936
Einbaubeispiele des Wagenheizers aus der technischen Beschreibung von 1936

Effizientes Thermomanagement

„Nicht mehr im Wagen frieren!“: Werbebroschüre, 1955
„Nicht mehr im Wagen frieren!“: Werbebroschüre, 1955

Das Thermomanagement spielt auch bei der Elektromobilität eine wichtige Rolle. Durch die automatische Anpassung an die Umgebungssituation können die einzelnen Komponenten im bestmöglichen Temperaturbereich betrieben werden. Gleichzeitig erfolgt die angemessene Temperierung des Fahrzeuginnenraums. E-Motoren müssen stets gekühlt, die Batterie entweder gekühlt oder beheizt werden. Intelligente Kälte- und Wärmemanagementsysteme von Bosch erhöhen die Reichweite von Elektrofahrzeugen, ermöglichen ein schnelles Laden der Batterie und sorgen für ein angenehmes und komfortabels Fahren.

Bettina Simon

Seit 2006 arbeite ich in der Historischen Kommunikation bei Bosch, zunächst im Bereich der Schriftgutarchivierung, mittlerweile bin ich für die Technikgeschichte zuständig und kümmere mich um die Produktsammlung. Anfragen zu Bosch in Osteuropa gehören zu meinen Aufgaben, außerdem betreue ich Ausstellungsprojekte in verschiedensten Museen.
Bei gutem Wetter drehe ich gerne eine Runde mit meinem Fiat 500 (Baujahr 1970).

Aufnahme von Bettina Simon

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