Bosch Fahrradlicht Schaufenster 1936
Geschichte

„Hast du auch schon eins?“ – Auf den Spuren des Bosch Fahrradlichts

5 Minuten

24.03.2016

So einfach konnte das sein, wie der Slogan von 1955 sagt. Und ein Fahrradlicht war damals noch nicht üblich. Gut also, dass Radfahrer sich für kleines Geld ausrüsten konnten, damit kein Fußgänger oder Autofahrer sie in der Dunkelheit übersah.

Ein Krisenprodukt

Fahrradlicht – das scheint gar nicht zu Bosch zu passen. Doch das Unternehmen schielte auch auf den Markt unmotorisierter Zweiräder, um elektrisch betriebene Produkte erfolgreich zu verkaufen. Gleichzeitig war das Anfangsjahr des „Bosch Radlichts“, wie man es taufte, eine düstere Zeit im damals noch wichtigsten Bosch-Markt, in Deutschland. Die große Inflation 1923 machte Vermögen auf einmal wertlos, ein Brot kostete Millionen, und zum größeren Einkauf war zum Schluss ein Anhänger zum Transport der Geldscheine angeraten.

So kam das Radlicht in einer Zeit auf den Markt, als so manche Menschen, die auf ein Transportmittel angewiesen waren, sich allenfalls das Fahrrad etwas sicherer ausrüsten, aber sich zum Beispiel kein Motorrad kaufen konnten, wie die damals brandneue erste BMW R32 mit Boxermotor.

„Dann hört der Ärger auf!“

Das erste „Bosch-Radlicht“ 1923
Das erste „Bosch-Radlicht“ 1923

Die Idee des Radlichts war simpel: Den Strom für den Scheinwerfer lieferte ein Dynamo, der die elektrische Energie einer kleinen Walze erzeugte, die sich am Vorderrad drehte. Die Konsequenz ist klar: Viel Licht bei schnellem Tempo, keines im Stillstand. Dann und nur dann galt auch der Slogan „Dann hört der Ärger auf!“. Das animierte die Radler zu einer gleichmäßigen, eher hohen Geschwindigkeit. Die erzieherisch wirkende Technik hatte damit auch Vorteile für die körperliche Fitness der Fahrenden.

Übrigens hatten früher derart beleuchtete Fahrräder in der Regel nur ein Vorderlicht, das Heck blieb vernachlässigt und allenfalls mit einem Reflektor ausgerüstet. Im zunehmenden Auto- und Motorradverkehr ab den 1930er Jahren und der Massenmotorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das allerdings. Über ein Verbindungskabel, das anfangs provisorisch um die Rahmenrohre gewickelt wurde, ab den 1950er Jahren dann vielfach geschützt durch die hohlen Rahmenrohre lief, erhielt das Rücklicht seine elektrische Energie vom Dynamo, dessen Walze zumeist am Vorderrad rotierte.

Licht inklusive

Verpackung Bosch Radlicht-Sets im Stuttgarter Werk 1937
Verpackung Bosch Radlicht-Sets im Stuttgarter Werk 1937

Das Radlicht wurde nach seiner langen Hochkonjunktur für Bosch ab Mitte der 1950er Jahre unrentabel, zu viele Konkurrenten boten billiger an. Bis 1960 fertigte Bosch die Komponenten noch in Stuttgart, bis 1968 noch in Schweden. Dann war diese Ära vorbei, und Bosch beschäftigte die Mitarbeiter mit der Herstellung anderer Produkte.

Doch auch heute kümmert sich Bosch um Fahrräder, auch wenn in ganz anderer Hinsicht. E-Bike-Antriebe werden seit 2011 hergestellt, damit Fahrradfahren bei Wind und Steigungen möglich und komfortabel ist und für Radfahrer auch längere Strecken machbar sind. Das Licht ist hier übrigens mit von der Partie. Es lässt sich am E-Bike mit Bosch-Antrieb über das Bedienelement einschalten, auf dem Geschwindigkeit, Batterieladung und auch die programmierte Routenführung angezeigt werden.

Korrosions-Belastungstest in der Salznebelkammer 1940
Korrosions-Belastungstest in der Salznebelkammer 1940
Werbung „Bosch Radlicht“ bei Fahrradrennen 1955
Werbung „Bosch Radlicht“ bei Fahrradrennen 1955
Bosch EBike-HMI, 2016
Bosch EBike-HMI, 2016

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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