Der Bosch Shopfloor Agent
Künstliche Intelligenz für wettbewerbsfähige Fabriken
Bamberg, einer der größten Fertigungsstandorte von Bosch mit langer Tradition. Hier werden seit über 80 Jahren Zündkerzen gefertigt wie auch hochmoderne Einspritzsysteme. Doch der Standort entwickelt sich kontinuierlich weiter und steht auch für Zukunftsthemen, wie dem Einsatz agentischer KI in der Fertigung.
David Haselbauer geht durch die hochmoderne Fertigung für Kraftfahrzeugtechnik. Der Informatiker kennt fast Alle und jeden Winkel im „Werkteil 3“. Das Tablet, das er zeigt, lässt auf nichts Revolutionäres schließen. Aber was Mitarbeitende an den Fertigungsmaschinen damit bewirken, hat es in sich.
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David Haselbauer, im Bamberger Bosch-Werkteil 3 für KI-Integration zuständig -
Bosch Bamberg aus der Vogelperspektive -
KI-Fachmann David Haselbauer im Werk Bamberg in Lagebesprechung mit Prozessbegleiter Leon Keidel
Installiert ist auf dem Tablet der Shopfloor Agent von Bosch, eine agentische KI-Software, die hilft, Fertigungungsanlagen bei Ausfällen schneller wieder in Betrieb zu nehmen. „Je länger ein Fertigungssystem steht, desto schlechter für die Ausbringung“, so Haselbauer. „Wir müssen umständliche Fehlersuche und deren langwierige Dokumentation auf ein Minimum reduzieren.“ Der Shopfloor Agent dient der wesentlichen Zielsetzung in der Bosch-Fertigung, ergänzt sein Kollege Leon Keidel: „Eine gleichmäßige Fertigung ist ein Garant für hohe und kostenoptimale Produktivität. KI hilft hier entscheidend.“
Boschs KI-Lösung: Der Shopfloor Agent
Wie die Lösung funktioniert, erklärt Philipp Glaser, Projektmanager für agentische KI in der Fertigung bei Bosch. Sein Job ist, dass KI-Lösungen wie der Shopfloor Agent zu leistungsfähigen Instrumenten für die Fertigung mit substanziellem Mehrwert werden. Mit dem Shopfloor Agent gelingt es, Fehler an Produktionsmaschinen schneller zu identifizieren und zu beheben, auch ohne tiefgreifende technische Expertise – und das in beliebig vielen Sprachen, auf die die KI trainiert wird.
Künstliche Intelligenz hilft in der Fertigung Kosten sparen. Mitarbeitende können dank agentischer KI Probleme an Fertigungsanlagen schneller lösen, wenn teure Ausfälle drohen.
Das Besondere am Shopfloor Agent: Er agiert mit dem hinterlegten Wissen selbstständig, entwickelt Strategien zur Problembehebung und bietet Nutzern einen Lösungsweg an. Die KI unterstützt Menschen und hilft, teure Ausfallzeiten zu verringern. Wichtig dabei: „Jede Einstellerin und jeder Einsteller in der Fertigung“, so Glaser, „muss mit dieser agentischen KI befähigt werden, Fehler zu finden und zu beseitigen“.
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Früher hätten sich Mitarbeitende oft auf die „alten Hasen“ verlassen, meint Glaser. Doch wo finden sich Informationen, die benötigt werden, wenn Mitarbeitende mit jahrzentelanger Erfahrung in Rente gehen? Oft liegen sie verteilt auf unterschiedlichen Laufwerken oder Netzwerken. Die Lösung ist überzeugend: Die agentische KI dokumentiert und speichert Fehler, Fehlerquellen sowie passende Lösungsstrategien. Fertigungsanlagen können mit Hilfe dieser KI schneller wieder in Gang kommen. Die Steigerung der Produktivität dadurch trägt dazu bei, Beschäftigung auch an Hochlohnkostenstandorten wie Deutschland zu erhalten.
„Unser Ziel ist, dass unsere KI-Agenten sehr schnell messbaren Wert für unsere Kunden erzeugen“, so Glaser. Seit Ende 2025 setzt Bosch die agentischen-KI-Systeme nicht nur in eigenen Werken wie in Bamberg ein, sondern bietet die Technologie auch auf dem externen Markt an.
Der Effekt dieser KI in der Fertigung ist vielversprechend: Die erhebliche Beschleunigung von Fehleranalyse und Fehlerlösung mit dem Shopfloor Agent ermöglicht jährliche Einsparungen von rund 850 000 Euro für jedes einzelne Werk bei Bosch, indem Maschinenstillstandszeiten reduziert werden.
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Michael Kolb, Entwicklungsleiter für KI-Fertigungs-Anwendungen bei Bosch, hat früh das Potenzial von KI in industriellen Prozessen erkannt. -
Vor Ort in Bamberg: Michael Kolb im Gespräch mit David Haselbauer im Bosch-Werk Bamberg -
Der Shopfloor Agent analysiert Fehlermeldungen und bietet Mitarbeitenden in der Fertigung wie Vanessa Krause und Thorsten Pfister kontextbasierte Lösungen an.
Akzeptanz der KI als Ziel
Damit das Vorhaben gelingt, bedarf es hoher Akzeptanz der KI in der Fertigung. Vorteile müssen rasch sichtbar sein. Dieser Überzeugung ist Michael Kolb, im Bosch-Fachbereich Entwicklungsleiter für KI. Er kennt das Thema schon lange: Ein Patent, an dem er beteiligt war, beschreibt die Optimierbarkeit eines Manufacturing Execution System in der Fertigung durch agentische KI, die Initialzündung für den Shopfloor Agent.
Die Stärke von Bosch liegt für Kolb nicht allein in der KI – sondern in der einzigartigen Verbindung von jahrzehntelang gewachsenem Fertigungs-Know-how mit modernster KI-Technologie. „Erst das tief verankerte Produktionsverständnis von Bosch, das seit über 100 Jahren gewachsen ist, macht aus KI eine praxistaugliche, industrielle Lösung“, so Kolb. Bosch entwickelt KI nicht im Labor, sondern aus der realen Produktionswelt heraus – mit einem klaren Fokus auf Umsetzbarkeit, Skalierbarkeit und messbaren Nutzen.
Genau diese Kombination schafft einen echten Wettbewerbsvorteil für Kunden: leistungsfähige KI, die Produktionsprozesse versteht und integriert denkt. Bosch hat das System so konzipiert, dass Kunden es an ihre individuellen Anforderungen anpassen können. Gleichzeitig bleiben die Kunden technologisch unabhängig und können die KI problemlos mit anderen Lösungen zur Fertigungsoptimierung kombinieren.
Beim Kunden Sick AG: Mit der KI-Projektleiterin im Werk Waldkirch
Zuverlässige Leistungen auf hohem Niveau von Beginn an möchte Bosch auch Kunden bieten. Dass dies möglich ist, zeigt sich am Beispiel der Sick AG, einem Spezialisten für Sensorlösungen: Die 1946 gegründete Sick AG ist ein Unternehmen mit mehr als 10 000 Mitarbeitenden und gehört zu den weltweit führenden Lösungsanbietern für sensorbasierte Applikationen in industriellen Anwendungen.
Christiane Becherer ist bei der Sick AG Senior Specialist Intelligent Supply Network. Ihr Schwerpunkt ist der strategische Einsatz von Künstlicher Intelligenz im internen Produktions- und Versorgungsnetzwerk. In diesem Kontext hat sie die Leitung des KI-Leuchtturmprojekts Bosch Agentic AI bei Sick übernommen.
Der Shopfloor Agent von Bosch, so Becherer, ist ein Teil dieses Leuchtturmprojekts im Intelligent Supply Network bei Sick. In der Pilotphase werden produktiv zwei Agenten eingesetzt, wie die studierte Wirtschaftsingenieurin erläutert. Erstens hilft der Equipment Ticket Agent, exakte Tickets aufzusetzen. Das sind detaillierte präzise Fehlermeldungen, auf deren Basis erst eine Lösung gefunden werden kann. Früher haben teilweise wichtige Informationen im Ticket gefehlt, wie der Equipment Service Software Engineer Marcus Schürmann erklärt. Die Fehlerbehebung konnte erst stattfinden, nachdem eine aufwändige Fehlersuche erfolgreich abgeschlossen war. „Mit dem Shopfloor Agent“, so Schürmann, „kommen wir viel schneller zu dem Punkt, den es zu klären gilt.“
Datenbündelung, Dokumentation, und zielgerechte Lösungsstrategien
Der zweite Agent ist der Service & Support Agent. Dieser ist der Anwendung bei Bosch in Bamberg sehr ähnlich, hier geht es um einen kontextorientierten Lösungsvorschlag bei Fehlern. „Der Shopfloor Agent von Bosch lässt sich hier sehr gut anwenden“, wie Gabriel Frei, Manufacturing Support bei Sick, erläutert: „Bei defekter Mechanik, Problemen bei der Sensorik oder Elektronik, fehlerhaft eingelegten Werkstücken, oder auch Verschleiß einer Fertigungseinrichtung, die zum vorzeitigen Stopp führt, und eine erforderliche Wartung erzwingt.“
Seinem Marcus Schürmann ist es wichtig, eines zu betonen: KI in der Fertigung hat den großen Vorteil eines jederzeit möglichen Dialog-basierten Zugriffs auf die Dokumentation früherer Fälle. Das erleichtert es dem Support oder Service-Mitarbeitenden, schnell praxisgerechte Lösungen zu finden. „Die KI“, so Schürmann, „hilft einen Fehler richtig einzuordnen und einen zielgerichteten Vorschlag für die Behebung zu machen.“
Bei diesem Projekt können wir bei Sick uns auf Bosch verlassen. Erfahrung in der industriellen Fertigung und Software- und KI-Knowhow beschleunigen Zusammenarbeit und Umsetzung.
Schürmanns Kollege Frei beziffert den Effekt für Sick: „Wenn eine solche KI ausreichend eingelernt und eingesetzt ist, dann können Maschinenausfälle insgesamt bis um das Zehnfache schneller behoben werden.“ Nach den ersten Erfahrungen bei Sick erzielte die KI-Lösung bereits am zweiten Tag die Ergebnisse auf dem Niveau von erfahrenen Experten.
Ähnliche Anforderungen beim Kunden und beim Anbieter
Aber warum arbeitet die Sick AG mit Bosch zusammen? Auch andere Unternehmen bieten mit KI für industrielle Fertigung mittlerweile Lösungen. Den Grund dafür hat Becherer schnell zur Hand: Für sie ist es die Expertise bei der Fertigungstechniktechnologie. „Bosch“, so sagt sie, „kann den Use Case schnell erfassen und gleichzeitig proaktiv Lösungsansätze anbieten. Bosch ist ein idealer Partner für uns, weil wir ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen in zukunftsorientierter Fertigung haben.“
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Marcus Schürmann, Softwarespezialist bei der Sick AG, ist regelmäßig in der Fertigung, um sich über Einsatz und Funktion des Shopfloor Agent zu informieren. -
Christiane Becherer und Fertigungstechniker Julian Hensle an einer Fertigungsanlage für Sensorik -
Sick-Fertigungstechniker Julian Hensle ist von der Bosch KI-Lösung Shopfloor Agent überzeugt.



