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Remanufacturing

Zweites Leben schenken

Ein Mann steht in einer Fertigung vor einer Werkbank und inspiziert Einzelteile eines Lenksystems.

Muss es immer etwas Neues sein? Für Peter Lukassen ist die Antwort eindeutig: Nein. Er ist verantwortlich für die operative Nachhaltigkeit bei Bosch Mobility Aftermarket. Der Geschäftsbereich schenkt im Rahmen eines Austauschprogramms gebrauchten Fahrzeugteilen seit über 60 Jahren durch die Serieninstandsetzung ein zweites Leben und führt sie in den Kreislauf zurück – zu einem günstigeren Preis. Das funktioniert nicht nur bei Startern, Generatoren und Dieselkomponenten, sondern auch bei Lenksystemen.

Bosch bereitet diese in seinem ungarischen Werk in Maklár industriell wieder auf. Daniela Lust ist Maschinenbauingenieurin bei Vehicle Motion und erklärt, wie der Prozess in Maklár funktioniert. „Gerade kam eine Lieferung gebrauchter Lenkungen an“, sagt sie lächelnd, während sie das Werk betritt. „Die Kolleginnen und Kollegen haben schon mit der Demontage angefangen.“

Ihr Weg führt sie in eine große Halle. Hier entstehen neue Lenksysteme in Serie. In einem separaten Bereich zerlegen Beschäftigte gebrauchte Lenkungen nach klar definierten Standards, prüfen jedes Bauteil und bereiten ausgewählte Produkte wieder auf. „Das Werk Maklár beteiligt sich seit über 20 Jahren an dem Austauschprogramm Bosch eXchange – einer Lösung für die zeitwertgerechte Reparatur von Auto-Ersatzteilen“, sagt Lust und beobachtet dabei, wie eine elektrische Servolenkung gereinigt wird. „Wir geben gebrauchten Produkten eine zweite Chance. Unser Anspruch dabei ist klar: Wir wollen die gleiche Qualität bieten wie bei neuen Produkten“, betont sie.

Eine Frau steht in einer Fertigung vor einer Werkbank und überprüft eine Lenkung auf ihren Verschleiß.
Daniela Lust ist Maschinenbauingenieurin bei Vehicle Motion. Ihr Fokus liegt auf der Wiederaufbereitung von elektrischen Lenksystemen.

Wiederaufbereitung statt Reparaturlösung

Ein Mann steht in einer Fertigung. Er hat den Blick gesenkt und schaut auf ein Tablet, das er in seinen Händen hält.
Gabor Gulyas ist für die Wiederaufbereitungsprozesse im Werk Maklár verantwortlich.

Alle Komponenten durchlaufen eine technische Prüfung. Bauteile, die den Qualitätsanforderungen entsprechen, bleiben im Kreislauf. Verschlissene Teile werden ausgetauscht. Den Ablauf beschreibt Gabor Gulyas, verantwortlich für die Wiederaufbereitungsprozesse im Werk Maklár. „Jede Einheit durchläuft zunächst einmal einen gründlichen Waschprozess, bei dem wir Keramikperlenstrahlen einsetzen“, erklärt er. „Wir zerlegen das Altteil vollständig und halten uns an klare Vorgaben: Bei der Montage ersetzen wir jede einzelne Dichtung und alle Bestandteile aus Kunststoff oder Gummi.“

Die Spezialreinigung ist nun abgeschlossen. Es folgen präzise Diagnosetests der verbliebenen Metallkomponenten. Die freigegebenen Teile gehen dann an die Montagelinie zur Serieninstandsetzung. „Je nach Produkt können wir weit über 80 Prozent der Metallteile wiederverwenden. Bei einer rund elf Kilogramm schweren Lenkung sind das meist über zehn Kilogramm Material“, erklärt Gulyas. Das spare nicht nur Ressourcen, sondern auch Energie und CO₂.

Ein Mann trägt eine Schutzbrille und Handschuhe und steht vor einem speziellen Prüfgerät. Er hält eine verschlissene Lenkung in der Hand und hat seinen Blick auf sie gerichtet. Das Licht über der Lenkung ist grün.
Die Metallkomponenten der Lenksysteme durchlaufen hochpräzise diagnostische Überprüfungen, einschließlich der Rissprüfung mittels UV-Licht. Dieser Vorgang verhindert strukturelle Abweichungen.

Bosch steuert den gesamten Kreislauf von der Rücknahme des Altteils bis zur erneuten Auslieferung der eXchange-Ware an die Werkstätten. Dafür arbeitet das Unternehmen über eine Tochtergesellschaft mit dem Altteilrückname-Service CoremanNet zusammen. Die Altware von Werkstätten und Bosch Car Services wird dort gesammelt, sortiert und zu spezialisierten Werken wie in Maklár transportiert.

Person mit unkenntlich gemachtem Gesicht bedient eine industrielle Maschine und arbeitet mit einem mechanischen Bauteil.
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Kreislaufwirtschaft als strategische Säule

Für Lukassen ist die zeitwertgerechte Wiederaufbereitung mehr als ein technischer Prozess. „Das eXchange-Programm ist ein zentraler Baustein der Kreislaufwirtschaft des Unternehmens“, sagt er. Heute umfasse das Programm über 20 Produktgruppen. 2025 nahm Bosch etwa 2,5 Millionen Altteile zurück und hat im Kreislaufgeschäft des Mobility Aftermarket rund 400 Millionen Euro Umsatz mit dem Programm erwirtschaftet. Bis 2030 soll der jährliche Umsatz auf eine Milliarde steigen. Damit das breit aufgestellte Programm alle Anforderungen des Marktes abdeckt, kann auch der Einsatz von Neuteilen erforderlich sein.

Ein Mann steht vor dem Bosch-Logo schräg gegenüber von einer Frau. Die beiden lächeln sich an. Zwischen ihnen steht ein Tisch. Auf dem Tisch liegt eine alte Lenkung und eine neue Lenkung.
Peter Lukassen (rechts) verantwortet die operative Nachhaltigkeit bei Bosch Mobility Aftermarket.

Die Zahlen belegen: Kreislaufwirtschaft rechnet sich. „Unser Programm zeigt, das zirkuläre Geschäftsmodelle nicht nur ökologisch sinnvoller, sondern auch robuster sind – vor allem in Zeiten knapper Ressourcen“, weiß Lukassen. „Wir reduzieren so den Bedarf an Rohstoffen.“ Mit der Elektrifizierung der Mobilität gewinnt die zeitwertgerechte Reparatur weiter an Bedeutung, da neue Fahrzeugmodelle verstärkt seltene Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Nickel benötigen.

Weltkarte mit Pins

Gleiche Qualität, geringere Kosten

Der Erfolg von Bosch eXchange zeige sich vor allem im Markt. Werkstätten und Fahrzeughalter erwarten Qualität zu einem „guten Preis“, so Lukassen. „Die eXchange-Produkte kosten bis zu 30 Prozent weniger als vergleichbare Produkte im Neuwarenprogramm – bei derselben Gewährleistung“, sagt er. „Gleichzeitig tun die Kundinnen und Kunden etwas Gutes für die Umwelt.“ Im Vergleich zur Produktion spare beispielsweise die Instandsetzung eines einzelnen Generators 90 Kilogramm CO₂ ein.

Bosch unterstützt Werkstätten mit einem Komplettpaket: nicht nur beim Austauschprodukt, sondern auch in der Diagnose und der Werkstattausrüstung. Der Mobility Aftermarket verfügt über ein dichtes, weltweites Vertriebsnetz mit umfassenden Trainingsangeboten. Speziell in der Kreislaufwirtschaft unterstützt der Servicepartner mit CoremanNet und klaren Rücknahmekriterien. Ein Back-in-Box-Verfahren schützt dabei nicht nur das Altteil, es spart Verpackungsmaterial und vereinfacht seine Identifikation. Transparente Pfandwerte und Prozesse sorgen für eine schnelle Gutschrift bei den Werkstätten.

Nahaufnahme von zwei Lenksystemen, die nebeneinander liegen. Das eine hat Verschleißspuren, das andere sieht auf wie neu.
Nach ihrer Wiederaufbereitung sieht die Lenkung wieder aus wie neu.

„Wir wollen es unseren Partnern so einfach wie möglich machen“, sagt Lukassen. „Kreislaufwirtschaft funktioniert nur, wenn sie im Alltag praktisch ist.“ Neben bestehenden Großkunden wie BMW, Mercedes und dem Ersatzteilegroßhandel zeigen auch weitere Partner Interesse an Remanufacturing-Lösungen.

Ein Mechaniker steht unter einem Auto, das mit einer Hebebühne angehoben wurdes. Er hält einen Akkuschrauber in der Hand und schraubt an der Unterseite des Autos.
Die Wiederaufbereitung ermöglicht es Bosch Car Services und Werkstätten, ihren Kunden Preisvorteile zu bieten: Fahrzeugteile sind so bis zu 30 Prozent günstiger erhältlich als Neuware.

Ein Blick nach vorne

Lust hat ursprünglich in der Entwicklung gearbeitet. In ihrer jetzigen Rolle bei Vehicle Motion ist sie für die technische Projektleitung im Bereich Remanufacturing von elektrischen Lenksystemen verantwortlich. Dabei stellt sie sicher, dass die wiederaufbereiteten Lenksysteme den gleichen Standards entsprechen wie Neuteile.

„Unsere Lenksysteme werden anspruchsvoller“, erklärt Lust. „Darum entwickeln wir sie von Anfang an so, dass wir die Produkte später auch im Kreislauf nachverfolgen können.“ Ein großer Vorteil im Vergleich zu hydraulischen Lenksystemen sei die integrierte Elektronik: „Elektrische Servolenkungen enthalten ein Steuergerät. Damit können wir ihre Fehlerspeicher auslesen und folglich auch ihre Laufleistungsdaten und Verschleißindikatoren“, sagt Lust. So lasse sich schneller und einfacher bewerten, ob ein zweites Leben für eine Lenkung technisch sinnvoll ist. „Das ist ein echter Fortschritt gegenüber der rein mechanischen hydraulischen Lenkung.“

1 Milliarde Euro

Umsatz soll das eXchange-Programm bis 2030 jährlich erwirtschaften.

Großes Interesse an Remanufacturing-Lösung

2025 wurden rund 5 000 elektrische und hydraulische Lenkungen im Werk Maklár wiederaufbereitet. Und das Interesse ist groß. „In den kommenden Jahren rechnen wir durch neue Kunden und Projekte mit einem deutlichen Wachstum“, betont Lust. Die Initiative gehe dabei mehr und mehr von den Kunden selbst aus, so Lust. „Sie kommen aktiv auf uns zu und fragen nach wiederaufbereiteten Produkten.“

Lukassen sieht die zentrale Bedeutung von Remanufacturing auch in den aktuellen Herausforderungen des Aftermarkets: „Lieferanten ziehen sich bei geringen Stückzahlen zurück, Ersatzteile werden teuer, Lagerkosten wachsen.“ Remanufacturing reduziere diese Abhängigkeiten, denn vorhandene Produkte würden wiederverwendet. Das stabilisiere das Geschäft und mache es weniger anfällig für Schwankungen in Lieferketten oder bei Rohstoffpreisen.

Ein Mann steht in einer Fertigung vor einer Werkbank und verpackt eine wiederaufbereitete Lenkung in einem Karton.
Nach Abschluss der Instandsetzung verpacken die Beschäftigten die Lenkung. Über ein Bosch-eigenes Logistikzentrum gelangt das Produkt ins Vertriebsnetz.

Im Werk Maklár prüfen Lust und Gulyas Funktion und Qualität der aufbereiteten elektrischen Servolenkung. Gulyas ist zufrieden: „Alles funktioniert einwandfrei. Jetzt verpacken wir die Lenkung“, sagt er. „Mal sehen, wo genau ihre Reise hingeht. So oder so beginnt jetzt ihr zweites Leben.“

Second Life dank Kreislaufwirtschaft

Im Rahmen ihrer Kreislaufwirtschaftsstrategie strebt die Bosch-Gruppe an, die Nachhaltigkeit ihrer Produkte über den gesamten Lebenszyklus zu steigern. Dies zielt darauf ab, Materialeinsatz und CO₂-Fußabdruck zu reduzieren. Ein entscheidender Vorteil der Kreislaufführung von Materialien ist zudem die Umgehung risikoreicher Schritte der Wertschöpfungskette wie den Rohstoffabbau. Bosch fasst seine Initiativen zur Wiederverwendung, Reparatur und Wiederaufarbeitung unter dem Begriff „Second Life“ zusammen. Das Angebot Bosch eXchange von Mobility Aftermarket demonstriert dies beispielhaft durch das Remanufacturing von Fahrzeugteilen als Teil des Austauschprogramms, wodurch die Produktlebensdauer erfolgreich verlängert wird.

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