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AI Academy

Wie Bosch KI-Profis ausbildet

Juliane Lüder, eine Bosch Data Scientist, steht selbstbewusst in einer modernen Büroumgebung und demonstriert KI-Konzepte auf einem Bildschirm.

Mit einem Klick bestellen und die Ware wenige Tage später in Händen halten: Was im privaten Online-Handel selbstverständlich scheint, wird für den Einkauf und die Logistik in Unternehmen eine immer größere Herausforderung. Statt auf verlässliche Lieferungen zu bauen, müssen sich die Beschäftigten in beiden Bereichen jeden Morgen neu fragen: Kommt die bestellte Ware heute an? Die Realität ist ernüchternd: Bestellungen verzögern sich, sind unvollständig oder gehen verloren. Diese Unsicherheit – oft ausgelöst durch globale Ereignisse wie geopolitische Krisen oder extreme Wetterlagen – kostet nicht nur Zeit und Geld, sondern gefährdet auch die eigene Produktion und Lieferfähigkeit.

Daten statt Glaskugel

Genau hier setzt Juliane Lüder an. Die 39-jährige Data Scientist aus Abstatt entwickelt eine Lösung, die für mehr Planbarkeit sorgt. Doch statt in eine Glaskugel zu blicken, vertraut sie auf Daten. „In der Vergangenheit waren rund 40 bis 50 Prozent der Lieferungen nicht korrekt“, erzählt Lüder. „Meine Lösung kann auf Basis bisheriger Lieferantendaten vorhersagen, wie viele Teile tatsächlich ankommen und wie verlässlich diese Prognose ist.“ So hat sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ein selbstlernendes Modell entwickelt, das historische Bestelldaten, Lieferzeiten und externe Faktoren wie Feiertage oder gemeldete Transportengpässe analysiert und eine Prognose aufstellt.

Juliane Lüder, eine Frau mit roten Haaren und Blazer, sitzt an einem Schreibtisch in einem modernen Büro und lächelt in die Kamera. Vor ihr stehen zwei Computermonitore.
Juliane Lüder, Data Scientist bei Bosch, entwickelte ein KI-Modell zur Verbesserung von Lieferketten.

Damit verschafft sie Bosch einen entscheidenden Vorteil: die Fähigkeit, proaktiv auf die Herausforderungen einer unberechenbaren Lieferkette zu reagieren und dadurch die Risiken von Produktionsausfällen oder teuren Sonderfrachten zu reduzieren. Rund 35 000 Mitarbeitende sind weltweit im Supply Chain Management von Bosch tätig. Sie sorgen dafür, dass täglich 250 000 Kunden aus rund 230 Werken pünktlich beliefert werden. Allein diese Zahlen machen deutlich, welche Herausforderungen der Bereich bewältigt, um komplexe Lieferketten sowie die reibungslose Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden sicherzustellen.

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Von der Controllerin zur Datenexpertin

Das nötige Wissen für diese komplexe Aufgabe erarbeitete sich Lüder in der AI Academy der Bosch-Forschung, die gezielt die eigenen Fachkräfte des Unternehmens für KI qualifiziert. Die studierte Betriebswirtin aus dem Geschäftsbereich Vehicle Motion bewarb sich dort mit Grundkenntnissen im Programmieren, die sie sich selbst beigebracht hatte, und ihrer Projektidee zur Lieferantenrisikobewertung. Es folgten 18 Monate intensives Training, in denen sie neben ihrer regulären Arbeit bei Bosch tief in die Themen Programmierung, maschinelles Lernen und die Implementierung von KI-Modellen eintauchte. In der Projektphase konnte sie diesen Wissensschatz direkt zur Entwicklung ihres Projektes einsetzen. Heute darf sich die ehemalige Controllerin stolz Data Scientist nennen. „Mathematik und komplexe Themen haben mich schon immer fasziniert“, sagt sie. „Trotzdem fehlte mir lange der Mut, tiefer in die Naturwissenschaften einzutauchen – vielleicht auch, weil mir die weiblichen Vorbilder gefehlt haben.“

Porträt von Martin Thomas

Wir wollen eine Landschaft von ‚Leuchttürmen‘ zu Data Science und Data Engineering im Unternehmen bereitstellen.

Martin Thomas, Leiter der AI Academy

Leuchttürme für die datengetriebene Zukunft

Jetzt ist sie selbst ein solches Vorbild. Das bestätigt auch Martin Thomas, Leiter der AI Academy: „Unsere Mission ist es, in allen Unternehmensbereichen exzellente Expertinnen und Experten für Data Science und Data Engineering auszubilden.“ Und das ist wichtiger denn je, denn KI prägt die Arbeitswelt bereits heute fundamental. Die Technologie automatisiert nicht nur Routineaufgaben, sondern schafft neue Berufsbilder – und verlangt von Mitarbeitenden immer stärker die Fähigkeit, datengestützt zu entscheiden. „Unsere Fachkräfte aus den Bereichen sind unersetzlich. Wenn wir sie zusätzlich mit KI-Kompetenzen ausstatten, entstehen die besten Lösungen“, sagt Thomas. „Sie sind unsere ‚Leuchttürme‘ und dienen als Ansprechpartner, um datengetriebene Projekte voranzutreiben.“

Rund 100 000 Menschen bei Bosch haben sich mittlerweile über die AI Academy weitergebildet. Eine von ihnen ist Juliane Lüder. „Für mich war die AI Academy die entscheidende Chance, meiner Karriere eine völlig neue Richtung zu geben“, sagt sie. Die AI Academy bietet eine Bandbreite an Weiterbildungsangeboten – von Basiswissen für die gesamte Belegschaft bis hin zu maßgeschneiderten Expertenprogrammen für Mitarbeitende und Führungskräfte. Um Grundlagenwissen in der Breite zu vermitteln, arbeitet die AI Academy eng mit Trainingsinitiativen in den Geschäftsbereichen zusammen. So sollen beispielsweise in diesem Jahr im Mobility-Bereich von Bosch 120 000 Mitarbeitende über eine Initiative des Geschäftsbereichs Power Solutions ein Grundlagentraining zu generativer KI erhalten.

Martin Thomas, ein Mann mittleren Alters mit Brille und grauem Haar, trägt ein dunkles Poloshirt mit Bosch-Logo und hält eine Präsentation vor mehreren Personen. Hinter ihm sind große Bildschirme mit Diagrammen und Text zu sehen.
Martin Thomas leitet die Bosch AI Academy, die Mitarbeitende für Künstliche Intelligenz qualifiziert.

100 000

Beschäftigte haben sich über die AI Academy weitergebildet.

Besonders die intensiven Experten-Programme zahlen sich aus. Eine solche Weiterbildung über eineinhalb Jahre kostet das Unternehmen einen mittleren fünfstelligen Betrag, doch die Investition rechnet sich: Eine interne Auswertung zeigt, dass die Projekte der Absolventinnen und Absolventen in den ersten fünf Jahren einen Wert erwirtschaften, der zehnmal so hoch ist wie die ursprünglichen Ausbildungskosten.

KI als Schlüsseltechnologie der resilienten Lieferkette

Lüders Projekt zeigt, welche zentrale Rolle KI für die Logistik der Zukunft spielt. In diesem Bereich wird KI bei Bosch bereits umfassend genutzt – etwa durch fahrerlose Transportsysteme zur Automatisierung interner Transportvorgänge oder die Echtzeitlokalisierung von Fahrzeugen und Materialien. Wie zentral diese Technologie ist, zeigt auch die aktuelle Studie „Reinventing Supply Chains 2030“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland. Demnach nutzen die befragten Unternehmen KI bereits heute für Planung, Logistik und Risikomanagement sowie dazu, Störungen vorherzusagen und schnell reagieren zu können. Insgesamt 80 Prozent der Unternehmen glauben, dass KI langfristig positive Auswirkungen auf ihre Lieferketten haben wird.

Der größte Erfolg für mich ist, wenn die Lösung einen echten Unterschied für die tägliche Arbeit der Nutzerinnen und Nutzer macht und ihnen den Alltag erleichtert.

Juliane Lüder, Data Scientist

Und genau diesen positiven Einfluss will Lüder nun in der Praxis beweisen. Erste Gelegenheit: das Werk im polnischen Breslau, in dem ihre Lösung bereits im Einsatz ist. Täglich werden hier große Mengen produktionskritischer Teile von Hunderten Lieferanten angeliefert. Das direkte Feedback der Logistikplanung vor Ort ist nun der entscheidende Input, um das KI-Modell weiter zu schärfen. Gelingt das, steht möglicherweise der nächste große Schritt an: die Skalierung auf weitere Werke.

Für Lüder ist das Ziel klar: „Der größte Erfolg für mich ist, wenn die Lösung einen echten Unterschied für die tägliche Arbeit der Nutzerinnen und Nutzer macht und ihnen den Alltag erleichtert.“

Ein Mann in einem Gabelstapler lädt palettierte, in Plastikfolie gewickelte Waren in den Auflieger eines Lastwagens. Ein zweiter Mann in Warnweste steht daneben.
Rund 35 000 Mitarbeitende sind weltweit im Supply Chain Management von Bosch tätig.

Drei Fragen zur Bosch AI Academy

1. Was ist die Bosch AI Academy?

Die Bosch AI Academy ist die unternehmensinterne Qualifizierungsinitiative, um Mitarbeitende zu Expertinnen und Experten für Künstliche Intelligenz (KI), Data Science und Data Engineering auszubilden.

2. Wer kann teilnehmen?

Das Angebot richtet sich an alle Bosch-Mitarbeitenden. Es gibt sowohl offene Online-Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene als auch hochspezialisierte Expertenprogramme für angehende Data Scientists und Data Engineers.

3. Was ist das Besondere am Ansatz?

Der Fokus liegt auf dem direkten Praxisbezug. In den Expertenprogrammen lösen die Teilnehmenden reale Probleme aus ihrem Geschäftsbereich mithilfe von KI. So entstehen nicht nur neue Fähigkeiten, sondern auch direkt nutzbare, innovative Lösungen.

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