Wie Bosch automatisiertes Fahren weltweit auf die Straßen bringt
Ob im dichten Stadtverkehr oder auf Teststrecken rund um den Globus – Bosch entwickelt automatisierte Fahrtechnologien dort, wo sie sich jeden Tag bewähren müssen: auf realen Straßen. Fahrerassistenzsysteme nehmen schon heute Stress aus dem Alltag, getragen vom intelligenten Zusammenspiel aus Sensorik, Software und künstlicher Intelligenz. Marktnah entwickelt und in globalen Verkehrsumgebungen erprobt, bewegen sich die Lösungen von Bosch konsequent von Assistenz in Richtung Automatisierung. Mit starken Partnern, einem skalierbaren Software Stack sowie einem klaren Fokus auf Sicherheit und Nutzererlebnis bringt Bosch automatisierte Fahrtechnologien auf das nächste Level – und weltweit auf die Straße.
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Shanghai: das ultimative Testlabor
Als Guangyuan Shou morgens ihre Wohnung in Shanghai verlässt, liegt über der Stadt dieses typische Geräusch aus summenden Motoren, Fahrradklingeln und dem unaufhörlichen Rauschen des Verkehrs. Für sie ist es ein vertrauter Klangteppich – einer, der ihr jeden Tag zeigt, warum ihre Arbeit wichtig ist. „Wenn man hier fährt, erlebt man in wenigen Minuten alles: Autos, die spontan ihre Spur wechseln, unübersichtliche Kreuzungen, dichter Verkehr aus allen Richtungen.“ Für viele Pendlerinnen und Pendler bedeutet das Stress pur. Für Shou, leitende Produktmanagerin für Fahrerassistenzsysteme bei Bosch in China, ist es das ultimative Testlabor.
Dabei beginnt ihre eigene, persönliche Geschichte ganz woanders: im idyllischen Wuzhen. Kopfsteinpflaster, schmale Wege, Boote, die lautlos durch Kanäle gleiten. „Als Kind bin ich oft durch die Gassen und über alte Steinbrücken gelaufen, es gab kaum Autos und wenig Verkehr“, erinnert sie sich.
Shanghai und Wuzhen: zwei Welten, die kaum gegensätzlicher sein könnten. Das Gefühl von Freiheit und Ruhe in Wuzhen, die Komplexität und Schnelligkeit von Shanghai. Und doch tragen beide Orte zu Shous Motivation bei, Fahrerassistenzsysteme zu entwickeln. „An Lösungen zu arbeiten, die den Alltag erleichtern – das ist meine Leidenschaft“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir entwickeln Systeme, die Unsicherheiten nehmen.“
Wir entwickeln Systeme, die Unsicherheiten nehmen.
Die meisten Menschen begegnen sogenannten Advanced Driver Assistance Systems, kurz ADAS, zunächst unbewusst, und sie nehmen diese fast schon als Selbstverständlichkeit wahr: ein Fahrzeug, das Abstand hält, die Spur zentriert, beim Einparken hilft.
Was vielen nicht bewusst ist: ADAS-Systeme basieren auf einem fein abgestimmten Zusammenspiel aus Hardware und Software. Kameras, Radar und Sensoren fungieren als die „Augen“ des Fahrzeugs, leistungsfähige Rechner, unterstützt durch Künstliche Intelligenz (KI), bilden das „Gehirn“, das Verkehrssituationen interpretiert und Entscheidungen vorbereitet. Fünf Stufen (Level 1 bis 5) beschreiben die Entwicklung vom assistierten über das automatisierte bis hin zum autonomen Fahren. Schritt für Schritt wird der Mensch dabei stärker entlastet.
Einfach erklärt: Die Stufen des automatisierten Fahrens
Gemeinsam mit Partnern ans Ziel
Bosch verfolgt bei der Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und Lösungen für das automatisierte Fahren einen „Local-for-local“-Ansatz. Das heißt, die Technik richtet sich nach länderspezifischen Gegebenheiten, individuellen Kundenbedürfnissen und wird vor Ort entwickelt. In China arbeitet Bosch mit dem Level-4-Anbieter WeRide zusammen. Bereits Ende 2023 wurde die Bosch Advanced Driving Solution, eine Level 2++-Funktion, beim chinesischen Hersteller Chery in ein Fahrzeugmodell integriert. Bosch ist damit der erste internationale Zulieferer in China, der eine automatisierte Fahrfunktion auf diesem Level für den Massenmarkt angeboten hat. Mittlerweile sind etwa 60 Prozent der Neuwagen in China mit Level-2-Systemen ausgestattet. China ist bei der Marktdurchdringung mit dieser Technik weltweit führend und macht Tempo mit seiner Innovationskraft.
„Wir haben unsere ADAS-Lösung in nur 18 Monaten entwickelt“, erklärt Shou. „Sie passt zur Realität der chinesischen Megacities, in denen unübersichtliche Verkehrssituationen und chaotische Manöver an der Tagesordnung sind.“ Die Funktion ermöglicht die “Navigation on Autopilot”. Das bedeutet: Man gibt sein Ziel im Navigationssystem ein und das Fahrzeug fährt selbstständig zum Ziel. „Unsere technische Lösung haben wir kontinuierlich weiterentwickelt, um ein Produkt zu liefern, das in allen gängigen Alltagsszenarien ein überzeugendes Nutzererlebnis bietet. Jetzt, zum Start der Massenproduktion, haben wir unser Ziel erreicht,“ sagt Shou.
Was dieses überzeugende Nutzererlebnis ausmacht, demonstriert Shou bei einer Testfahrt im Shanghaier Huangpu Distrikt: „ADAS nimmt die Anspannung – beim Parken, beim Navigieren, beim Fahren in einer fremden Stadt.“ Während sie spricht, gleitet das Auto ruhig durch Situationen, in denen viele Fahrerinnen und Fahrer längst verkrampft das Steuer umklammert hätten.
„Das ist erst der Anfang“, sagt Shou. „Noch in diesem Jahr wird unsere Lösung in mehreren Chery-Modellen eingeführt – sowohl auf dem heimischen Markt als auch international. Wir machen die fortschrittliche Technologie für alle zugänglich – nicht nur für Besitzer von Premiumfahrzeugen.“
Szenenwechsel
Auf dem Hof eines unscheinbaren Backsteinbaus im süddeutschen Stuttgart steht ein VW-Testfahrzeug. Auch hier arbeitet Bosch an fortschrittlichen ADAS-Lösungen.
Während sich das Testfahrzeug auf die Straßen von Stuttgart begibt, um Daten zu sammeln, stecken im Inneren des Gebäudes Entwickler von Bosch und der VW-Tochter CARIAD die Köpfe zusammen. Sie arbeiten in der sogenannten Automated Driving Alliance (ADA) gemeinsam daran, das automatisierte Fahren im Bereich der privaten Pkw in die Breite zu bringen. „Die ADA vereint jahrzehntelange Serienerfahrung von Bosch mit datengetriebener Softwareentwicklung und KI-Kompetenz, über die beide Partner verfügen“, erklärt Christoph Hartung, Chief Technology Officer (CTO) von Bosch Mobility für Systems, Software und Services und Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Cross-Domain Computing Solutions.
ADA-Testfahrzeuge sind nicht nur in Deutschland unterwegs, auch in Japan und den USA. So entstehen Entwicklungen, die verschiedenste Verkehrsmuster abbilden. Ab Mitte 2026 soll der von der ADA entwickelte sogenannte Software-Stack, ein Zusammenspiel mehrerer Programme, die – Schicht für Schicht – eine digitale Funktion möglich machen, für den Einsatz in Serienprojekten bereitstehen.
Hartung unterstreicht: „Die ADA ist derzeit die einzige Initiative in Europa, die ADAS-Software in dieser Tiefe entwickelt. Unsere Lösungen entstehen im Herzen Europas – mit dem Ziel, einen globalen Stack anzubieten, der weltweit einsetzbar ist.“
Die ADA ist derzeit die einzige Initiative in Europa, die ADAS-Software in dieser Tiefe entwickelt.
Next-level-Entwicklung durch KI
In Shanghai wie in Stuttgart ist KI ein entscheidender Baustein für die Weiterentwicklung von ADAS. „Unsere Basis als Bosch ist starke Hardware und innovative Software – Sensoren, Steuergeräte, Fahrzeugcomputer“, sagt Bosch Mobility-CTO Hartung. „Im Zusammenspiel von Hardware, Software und KI können wir unsere Entwicklungsleistung für ADAS nun im wahrsten Sinne des Wortes auf ein nächstes Level heben.“
KI kommt entlang der gesamten „Technikkette“ zum Einsatz – von der Objekterkennung, der Fusion der verschiedenen Sensoren wie Kameras und Radare, über die Entscheidungsfindung bis hin zur Umsetzung in die sichere automatisierte Steuerung von Antrieb, Lenkung und Bremse. Durch den Einsatz von KI werden alle Technikbausteine leistungsfähiger und „intelligenter“. KI-Modelle verarbeiten riesige Datenmengen, erkennen Muster und interpretieren Verkehrssituationen. „Früher haben wir dem Auto Regeln beigebracht“, erklärt Produktmanagerin Shou. „Heute lernt das System aus Daten – ähnlich wie Fahrerinnen und Fahrer aus der Praxis.“
Sogenannte Ende-zu-Ende-KI-Modelle werden direkt mit realen Fahrdaten trainiert und entwickeln so ein immer feineres Gespür für komplexe Situationen. Insbesondere in Großstädten, in denen Verkehr selten vorhersehbar ist, ermöglicht dieser Ansatz ein natürlicheres Fahrverhalten. Und es trägt dazu bei, die ADAS-Technologien für den Massenmarkt vorzubereiten.
Mathias Pillin, CTO von Bosch, drückt es so aus: „Daten und KI sind der Schlüssel, wenn es darum geht, automatisierte Fahrsysteme in großem Maßstab und zuverlässig auf die Straße zu bringen.“
Ein konkretes Beispiel für die revolutionäre Kraft von KI ist das neue, KI-gestützte Cockpit von Bosch, das die Interaktion zwischen Mensch und Fahrzeug intuitiver gestalten soll. Hinweise sollen verständlicher werden, Entscheidungen nachvollziehbarer. Zum Einparken reicht künftig ein Sprachbefehl – das System steuert den Rest. Auch die Innenraumerkennung spielt eine wichtige Rolle für das assistierte und automatisierte Fahren: Nur so lässt sich für das Fahrzeug feststellen, ob der Mensch bereit ist, das Steuer wieder zu übernehmen. 2026 sollen die ersten Versionen des KI-gestützten Cockpits von Bosch auf den Markt kommen.
Zwischen Regulierung und Realität
Beim globalen Einsatz seiner ADAS-Lösungen orientiert sich Bosch an den Regulatorien in den Märkten und an den Kundenbedürfnissen. So sind beispielsweise Nutzer im asiatischen Raum häufig sehr technikaffin und innovationsfreudig, in Europa stehen vor allem der Sicherheitsaspekt und Datenschutz im Vordergrund.
Während in China L2++ auf dem Markt ist – allerdings unter „hands on“ und „eyes on“ Vorgaben –, erlaubt die Gesetzgebung in Deutschland neben Level 2+ bereits automatisierte Fahrfunktionen für Level 3. Deutschland befindet sich in einem Übergang von der Erprobungsphase hin zur praktischen Anwendung des automatisierten Fahrens.
Bosch entwickelt Systeme so, dass sie unterschiedliche Anforderungen erfüllen. „Wir verbinden robuste Technik mit einem Entwicklungspfad, der schrittweise in den Alltag, auf die Straßen führt – immer dort, wo Märkte und Regulatorik bereit sind“, so Bosch-CTO Pillin.
Wir verbinden robuste Technik mit einem Entwicklungspfad, der schrittweise in den Alltag, auf die Straßen führt – immer dort, wo Märkte und Regulatorik bereit sind.
Die Nachfrage für die Technik von Bosch ist groß. „Allein 2025 haben wir für intelligente Fahrerassistenzsysteme Aufträge über alle Weltregionen hinweg im Wert von zehn Milliarden Euro erhalten,“ erläutert Pillin. „Dazu zählen Softwarelösungen ebenso wie zentrale Fahrzeugrechner oder Produkte: zum Beispiel Kamerasysteme, hochpräzise Radarsensoren oder Ultraschallsensoren.“
Ein Blick nach vorn
Wenn Produktmanagerin Shou über die Zukunft spricht, beginnt sie nicht mit Technik. Sie spricht über Gefühle, die sie aus Wuzhen kennt – Vertrautheit, Ruhe, Sicherheit. „Wenn ich die Augen schließe und mir die Zukunft vorstelle, kehren meine Gedanken immer zu meinem Elternhaus zurück. Ich erinnere mich daran, wie entspannt ich durch die steinernen Gassen gelaufen bin – dieses Gefühl von Sicherheit und Freiheit. Genau so soll sich Autofahren in Zukunft anfühlen. Das ist mein Antrieb. Dafür arbeite ich. Tag für Tag.“



