Das neue Verkaufshaus an der Brigittabrücke
Geschichte

Eine Erfolgsgeschichte

Bosch in Österreich

5 Minuten

Seit 1899 hatte die Firma Denes, später Denes & Friedmann mit Sitz in Wien, den Vertrieb von Boschprodukten in Österreich-Ungarn übernommen. Die Zusammenarbeit verlief reibungslos und so wurde immer wieder der Vertrag verlängert.

Dies änderte sich erst, als das österreichische Kriegsministerium Robert Bosch wiederholt aufforderte auch im verbündeten Österreich eine Zweigfabrik zu eröffnen und dort zu produzieren.

Die Länder der Donaumonarchie wären damit unabhängig von ausländischen Einfuhren gewesen und ihre Kriegsanstrengungen im Ersten Weltkrieg erleichtert worden. Robert Bosch hielt jedoch eine eigene Produktion für den verhältnismäßig geringen Bedarf der Donaustaaten für unökonomisch, da diese Produkte zu teuer geworden wären.

Eigene Gesellschaft

Die neue Mannschaft in Wien erwartungsvoll, 1918
Nach schweren Jahren schaut die neue Mannschaft in Wien erwartungsvoll, aber auch etwas ernst ins Bild. Wien, 1918

Um jedoch den Behörden entgegenzukommen, beschloss Robert Bosch, wenigstens den Vertrieb seiner Produkte in der Donaumonarchie selbst zu übernehmen. Noch Ende des Jahres 1917 setzten die Vorbereitungen zur Gründung der Gesellschaft und der Eröffnung der Verkaufshäuser ein.
1918 übernahm Bosch den Vertrieb seiner Produkte selbst und gründete die Robert Bosch GmbH, Wien, der am 1. Juli die Eröffnung eines eigenen Verkaufshauses in der Unteren Weißgerberstraße 20 folgte.

Der Neubau kommt

Das neue Verkaufshaus an der Brigittabrücke, wurde erbaut von Herbst 1922 bis zum Frühjahr 1924.
Das neue Verkaufshaus an der Brigittabrücke, wurde erbaut von Herbst 1922 bis zum Frühjahr 1924.

Schon bald nach der Gründung führte eine steigende Nachfrage nach Licht- und Anlasseranlagen sowie nach neuen Produkten wie Suchern und Hörnern dazu, dass die verfügbaren Wagenhallenräume zu wenig Platz für Einbauten boten und auch die Lagerräume zu klein wurden. Im August 1922 wurde mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes begonnen und bereits 1924 konnte die Wiener Bosch GmbH in das neu erbaute Gebäude mit angeschlossener Bosch-Dienst-Werkstatt in die Spittelauer Lände 5 ziehen.

Zur feierlichen Eröffnung am 3. Mai reiste Robert Bosch selbst an und betonte in einer kurzen Ansprache die erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands und Österreichs.

Der zweite Rückschlag

Ein weiterer Krieg setzte jedoch der Präsenz Boschs in Wien für die nächsten Jahre ein Ende. Erst in den 50er Jahren, als sich die Wirtschaft wieder normalisierte und der Handel wieder liberalisiert wurde, war es Bosch möglich, in Österreich Tochtergesellschaften zu gründen. Die Elektro – Diesel Handelsgesellschaft mbH in Wien erhielt von Bosch die Generalvertretung – zunächst einmal für Kraftfahrzeuge, später für weitere Produkte.

Das einsetzende Wirtschaftswachstum verstärkte den Umfang der Geschäfte bei Elektro Diesel so erheblich, dass noch 1960 das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Aus dieser Gesellschaft ging, nach Übernahme der Aktien 1982, die Robert Bosch AG, Wien, (RBOS) hervor.

In der riesigen Einbauhalle wird nicht nur an Pkw, sondern auch an den großen Omnibussen gearbeitet. Wien 1963
In der riesigen Einbauhalle der Elektro – Diesel, Wien, wird nicht nur an Pkw, sondern auch an den großen Omnibussen gearbeitet. Wien 1963

Ausblick

Ab 1991, mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs, war die Robert Bosch AG, Wien auch für den Aufbau von Vertriebsgesellschaften in den ehemals sozialistischen Staaten Osteuropas zuständig. Kontinuierlich baute Bosch in Österreich seine Markposition in verschiedenen Ländern und Geschäftsbereichen weiter aus, nicht zuletzt durch den Erwerb von Anteilen oder Übernahmen.

Hohe Investitionen in Entwicklung und Zukunftstechnologien, wie am Entwicklungsstandort Linz und am neuen Österreich-Headquarter in Wien oder auch der Erwerb der österreichischen Softwarefirma Zeno Track, zeigen die Bedeutung der österreichischen Regionalgesellschaft.

Angelika Merkle

Als Historikerin bin ich Ansprechpartner zu historischen Fragen für die Länder Südosteuropas, die Schweiz, Österreich und Afrika sowie die deutschen Standorte. Zudem biete ich Führungen durch unsere Ausstellung zur Bosch-Geschichte an und schreibe für verschiedene Publikationen.
Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Marburg und Tübingen und dem Großziehen zweier lebhafter Kinder, hält mich mein Greyhound auf Trab.

Aufnahme Angelika Merkle

Teile diese Seite auf