Bosch-Zündkerzen aus dem Mercedes 300 SL.
Geschichte

Schätze aus dem Archiv

Erinnerungen an Mexiko

5 Minuten

26.02.2018

Was hat eigentlich ein Geier mit Zündkerzen zu tun und mit Bosch? Die Antwort ist ganz einfach: ein Autorennen vor 66 Jahren.

Dankeskarte von Karl Kling.
Dankeskarte von Karl Kling, 1952: Der Fahrer signierte mit dem Dank, dass Bosch-Zündkerzen seinem SL zum Rennsieg verhalfen.

Ein Zeitzeuge für diese Geschichte ist ein Objekt, das man leicht übersehen kann, wenn man durch die Regale der Zündkerzensammlung des Bosch-Archivs geht: Ein Plexiglashalter mit sechs Bosch-Zündkerzen des Typs W280. Dazu eine kleine Inschrift auf dem Plexiglashalter:

„III. Carrera Panamericana Mexico 1952. BOSCH-Zündkerzen W280T… aus Mercedes-Benz 300 SL. Sieger: Karl Kling“

Bei den sechs Zündkerzen, die in den Plexiglashalter geschraubt sind, handelt es sich tatsächlich um Originale, mit leichtem Abbrand durch den Renneinsatz. Womöglich würden sie immer noch funktionieren, wenn man sie in einem 300 SL Baujahr 1952 ausprobieren wollte.

Was hat es mit diesen Erinnerungsstücken auf sich, und wie sind sie ins Bosch-Archiv gelangt? Was wir wissen, ist, dass sie im Siegerfahrzeug der Carrera Panamericana 1952, einem Mercedes-Benz 300 SL („Flügertürer“) eingebaut waren. Was wir vermuten: Wahrscheinlich hat sie ein Mitarbeiter des Bosch Renndienstes nach Stuttgart zurückgebracht, der als Berater die Rennteams betreute, im nachträglich betrachtet klugen Schachzug, die Zündkerzen im Siegerwagen großzügig gegen neue auszutauschen. Oder das Rennteam überließ sie Bosch zwecks nachträglichen Analyse zur Sammlung von Erkenntnissen für die konstruktive Verbesserung.

Doch zurück zum Geier. 1950 war das über 3000 Kilometer lange mexikanische Teilstück der Panamericana, einer Straßenverbindung entlang der westamerikanischen Küste fertig ausgebaut. Zur Einweihung fand ein Rennen statt, das ab dem Folgejahr bis 1954 jährlich mit Rennfahrerprominenz aus aller Welt stattfand

Konvolut bestehend aus sechs Zündkerzen, Typ W280 in Plexiglasständer.
Konvolut bestehend aus sechs Zündkerzen, Typ W280 in Plexiglasständer. Mit Erinnerungsnotiz an die dritte Carrera Panamericana Mexico-Rally im Jahr 1952. Sieger: Karl Kling mit Mercedes-Benz 300 SL.

Beim Rennen von 1952 kollidierte ein Geier mit dem Mercedes 300 SL, der von Karl Kling gesteuert wurde. Das unglückliche Tier traf den Beifahrer, den Rennfahrer Hans Klenk, der bekannt war durch sein „Gebetsbuch“, in dem er immer die Besonderheiten einer Rennstrecke notierte und damit eine Praxis vieler Beifahrer bei Rallye-Strecken begründete. Klenk wurde im Gesicht verletzt, als der Vogel gegen die Frontscheibe flog, aber Kling und Klenk setzen ihre Fahrt fort. Der Wagen bekam vorsichtshalber ein Gitter vor der ausgetauschten Frontscheibe. Dieser Unfall war symptomatisch für die Carrera Panamericana, die 1954 ausgesetzt wurde, weil zu viele Unfälle sie zu einem sehr gefährlichen Unterfangen machten.

Rennsiege mit Bosch-Technik waren seit der Zeit um 1900 immer ein gern demonstrierter Beweis für die Zuverlässigkeit und Belastbarkeit der Komponenten von Bosch. Schon die ersten Werbekampagnen mit dem Roten Teufel, dem Rennfahrer Camille Jenatzy nachempfunden, nutzen gern den bestandenen „Dauertest“ an Rennveranstaltungen als Argument für Zuverlässigkeit, um Kunden zum Kauf von Bosch-Produkten zu bewegen. Das war auch so bei Zündkerzen.

Diese Art der Werbung war allerdings 1952 nicht mehr unbedingt nötig, da es mittlerweile in der Fachpresse Tests sowohl kompletter Fahrzeuge als auch von Ausrüstungsprodukten gab. Vielleicht wären die Zündkerzen 50 Jahre früher als „Beweis“ der Produktgüte bei Messeauftritten stolz präsentiert worden. Im Jahr 1952 reichte es immerhin zu einer Devotionalie, die an ein ziemlich verwegenes Abenteuer erinnert.

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeite ich bei Bosch. Als Fachreferent und Pressesprecher bin ich zuständig für alle Anfragen zur Bosch-Produktgeschichte weltweit und pflege Kontakte zu Technik- und Verkehrsmuseen.
Bevor ich zu Bosch kam, habe ich Geschichte und Philosophie in Konstanz und Hamburg studiert. Danach war ich zunächst Zeitschriftenredakteur und danach wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Technikmuseum Berlin.

Aufnahme Dietrich Kuhlgatz

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