Zum Hauptinhalt springen
Geschichte

Das Instituto Robert Bosch in Brasilien

Ein halbes Jahrhundert im Dienst von Bildung und Gesundheit

Eine Gruppe von Freiwilligen im Instituto Robert Bosch

Die Idee hätte Robert Bosch mit Sicherheit gefallen, entsprach sie doch genau dem, was er für die Gesellschaft als fördernswert erachtete: Zugang zu bester medizinischer Versorgung und guter Ausbildung für alle unabhängig vom sozialen Status. So wäre er auch bestimmt stolz gewesen, dass die Stiftung, die 1971 im brasilianischen Campinas an den Start ging, seinen Namen trug: Associação Beneficente Robert Bosch. Sie nahm sich dem Thema Gesundheitsförderung an und verschob ihren Schwerpunkt 2004 als Instituto Robert Bosch in Richtung Bildungsförderung.

Eine Idee nimmt ihren Lauf

Alles begann mit einem informellen Gespräch zwischen John Lane und Wolfgang Sauer zu Anfang der 1970er Jahre. John Lane war Arzt in Campinas und hatte 1963 gemeinsam mit seinem Bruder eine Klinik gegründet, die fortschrittliche Medizin leisten wollte. Wolfgang Sauer war der Präsident von Bosch do Brasil und hatte ein Auge für die dringenden Bedürfnisse eines aufstrebenden Staates wie Brasilien, wo vor allem in medizinischen Belangen noch einiger Nachholbedarf bestand. Gemeinsam entwickelten sie die Idee eines modernen Krankenhauses, an dessen Finanzierung sich Bosch beteiligen sollte. Dazu wurde die Associação Beneficente Robert Bosch 1971 in Campinas gegründet. Kurze Zeit später begann mit ihrer Unterstützung der Bau des Krankenhauses, das im März 1973 eingeweiht wurde.

In Campinas entsteht in den Jahren 1971 bis 1973 das Medizinische Zentrum.
In Campinas entsteht in den Jahren 1971 bis 1973 das Medizinische Zentrum.

Einsatz für soziale Projekte

Das Boldrini-Kinderzentrum in Campinas ist ganz auf die Bedürfnisse der jungen Patienten abgestimmt.
Das Boldrini-Kinderzentrum in Campinas ist ganz auf die Bedürfnisse der jungen Patienten abgestimmt.

In den 1980er Jahren unterstützte die Associação Beneficente Robert Bosch noch ein weiteres wichtiges medizinisches Projekt. Auf einem von Bosch gestifteten Grundstück entstand auf 1.500 Quadratmetern ein weiteres Krankenhaus in Campinas, das Boldrini-Kinderzentrum. Es ist auf Onkologie und pädiatrische Hämatologie bei jungen Patienten spezialisiert. Zur selben Zeit begann die Associação Beneficente auch mit der Unterstützung von zahlreichen sozialen Projekten an Standorten, an denen Bosch in Brasilien tätig ist. Dabei arbeitete sie eng mit den Kommunen vor Ort zusammen.

Das moderne Medizinische Zentrum in Campinas wurde schließlich nach 20 Jahren, 2003, an die Stadt Campinas übergeben und in eine unabhängige Stiftung umgewandelt.

Neuausrichtung mit dem Instituto Robert Bosch

Nachdem die medizinischen Projekte erfolgreich auf den Weg gebracht worden waren, setzte sich die Associação Beneficente neue Ziele. Sie wurde 2004 auf Betreiben des damaligen Präsidenten von Bosch in Brasilien, Edgar Silva-Garbade, in das Instituto Robert Bosch umgewandelt. Silva-Garbade, der das Instituto von 2011 bis 2020 leiten sollte, hatte bereits 1990 zusammen mit einigen Bosch-Kollegen in Deutschland die Hilfsorganisation Primavera – Hilfe für Kinder in Not e.V. gegründet, um soziale Projekte für Kinder in Elendsvierteln in Brasilien und Indien zu unterstützen. Er kannte sich mit dem Thema bestens aus. Die Fördermaßnahmen sollten vor Ort noch besser innerhalb der Bosch-Regionalgesellschaft organisiert werden.

Das Instituto Robert Bosch wollte und will speziell in Kommunen, die in der Nähe von Bosch-Standorten sind, Hilfe bei der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen aus schwierigen sozialen Verhältnissen leisten. Momentan werden rund 3 300 Kinder und Jugendliche sowohl in ihrer persönlichen Entwicklung als auch in ihrer schulischen Ausbildung unterstützt. Die Projekte umfassen sowohl die Ausbildungsförderung als auch die Zusammenarbeit mit staatlichen Schulen. Weiterhin arbeitet das Instituto eng mit Partnern vor Ort zusammen, an denen Bosch mit einem Standort vertreten ist wie in Campinas, Itatiba, Curitiba, Campina Grande do Sul, Joinville, Pomerode und Simões Filho (Bahia). Zusammen mit Schulen und Wohltätigkeitsorganisationen arbeitet es daran, soziale Ungleichheiten zu ebnen und Bildungschancen zu ermöglichen.

Edgar Garbade-Silva, langjähriger Leiter des Instituto Robert Bosch

Wenn sich ein junger Mensch seine Träume erfüllt, ist das das beste Geschenk für unsere Arbeit.

Edgar Garbade-Silva, langjähriger Leiter des Instituto Robert Bosch

Die Motivation der Freiwilligen

Eine große Zahl an Freiwilligen, darunter auch viele ehrenamtlich tätige Bosch-Mitarbeiter, engagieren sich in allen Projekten als Pädagogen, Motivatoren und Unterstützer und sind unerlässlich für die erfolgreiche Arbeit. „Die Begeisterung der Freiwilligen resultiert daraus, dass sie förmlich zuschauen können, wie die jungen Menschen Fortschritte machen. Viele sind einfach nur glücklich, die Entwicklung zu beobachten und dabei mitzuhelfen“, erklärt Edgar Garbade-Silva, der langjährige Leiter des Instituto Robert Bosch, die Motivation.

Das Instituto Robert Bosch trägt nicht umsonst den Namen des Unternehmensgründers. Es sieht sich mit seiner Arbeit dem Geist Robert Boschs verpflichtet, der Zeit seines Lebens Projekte unterstützte, die Bildung für alle möglich machen sollte. Zu seinen Beweggründen sagte er 1921: „Bildung macht frei [...] Darum Förderung der Volksbildung.“

Die vom Instituto Robert Bosch geförderten Jugendlichen werden nicht nur in ihrer schulischen sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt.
Die vom Instituto Robert Bosch geförderten Jugendlichen werden nicht nur in ihrer schulischen sondern auch in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützt.

Christine Siegel

Als Historikerin arbeite ich seit über 20 Jahren in der Historischen Kommunikation bei Bosch. Genauso lange bin ich für die historischen Printmedien verantwortlich und bin nun auch Teil der Online-Redaktion. Darüber hinaus bin ich Ansprechpartner für Fragen zur Geschichte von Bosch in Nord- und Südamerika, auf der Iberischen Halbinsel und Großbritannien – für Letzteres besonders gerne, denn dort habe ich drei Jahre lang gelebt.

Aufnahme von Christine Siegel

Teile diese Seite auf