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Geschichte

125 Jahre Bosch in Österreich und Ungarn

Eng verbunden

Modernes, streng gegliedertes Geschäftsgebäude an einer Straßenecke

Die Nase weit vorn hatten Österreich und Ungarn. Kaum auf der Berliner Automobil-Ausstellung 1899 vorgestellt, war Robert Boschs innovative zuverlässige Zündung für Fahrzeuge schon in Österreich-Ungarn erhältlich. In beiden Ländern entwickelten sich erfolgreiche Regionalgesellschaften für den Vertrieb und die Fertigung von Bosch-Produkten in Europa.

Das neue Geschäftsgebäude in Wien, das „Haus an der Brigitta-Brücke“, war festlich geschmückt. Das milde Wetter am 3. Mai 1924 versetzte 120 erwartungsvolle Gäste in frohe Stimmung. Robert Bosch war eigens aus Stuttgart mit zwei seiner Direktoren angereist, und betonte in seiner Eröffnungsrede die Symbolhaftigkeit des Hauses. Trotz vieler Schwierigkeiten nach dem Ersten Weltkrieg war dieser Bau entstanden, und sollte nun als Zeichen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit von Österreich und Deutschland dienen.

Junger Mann in Arbeitskleidung zeigt zwei im offenen Automobil sitzenden Herren einen Magnetzünder
Katalog von Dénes von 1905.

Bereits seit 1899 vertrieb der ungarische Ingenieur und Geschäftsmann Eduard Dénes Boschs Produkte in Österreich und Ungarn. Knapp zwei Jahre zuvor hatte Bosch mit seinem Magnetzünder für die erste zuverlässige Zündung an einem Fahrzeug gesorgt und damit einen Wirbel in der Automobilwelt entfacht. Zwar war die Nachfrage danach in Deutschland stark, doch Bosch erkannte, dass der deutsche Markt für den Fortbestand seiner Firma nicht ausreichen würde: Dénes, der die Alleinvertretung für die gesamte Donaumonarchie erhielt, fand einen Partner und firmierte noch im selben Jahr unter „Dénes & Friedmann“. Bereits 1905 bewarb ein Katalog der Firma Denes & Friedmann, mittlerweile ein etablierter Name im Vertrieb von Automobilzubehör, auch Boschs Zündapparate. Das neue Jahrhundert begann vielversprechend. Boschs Expansion und Erfolg in Österreich und Ungarn schien unaufhaltsam.

Vor einer Wand des Wiener Verkaufshauses hat sich die Belegschaft im Freien in zwei Reihen aufgestellt und links und rechts von einer Laterne gruppiert.
Belegschaft des Verkaufshauses Wien 1918, am Tag des Einzugs. 3.v.li: Eduard Dènes, 1. li neben der Laterne: Hugo Borst, Neffe Robert Boschs.

Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellte Bosch vor neue Herausforderungen, auch in Bezug auf die Donaumonarchie. Das österreichische Kriegsministerium drängte wiederholt darauf, dass Bosch auch in Österreich produzieren sollte. Trotz des wirtschaftlichen Drucks widerstand Bosch dieser Forderung und entschied sich stattdessen, den Vertrieb seiner Produkte ab 1917 selbst in die Hand zu nehmen. Noch Ende des Jahres leitete Bosch die ersten Schritte dazu ein, und gründete bereits im darauffolgenden Jahr in Wien und Budapest eigene Bosch-Gesellschaften. Ungeachtet der schwierigen wirtschaftlichen Lage eröffnete Bosch 1918 in Wien eine eigene Verkaufsniederlassung mit einer Zweigniederlassung in Budapest.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, der in den Jahren nach dem Krieg erfolgte, begann eine Phase neuer Bautätigkeiten. In Wien entstand ein modernes Verkaufs- und Verwaltungshaus, das 1924 feierlich eröffnet wurde. Dessen strenge Architektur, die auf äußeren Schmuck verzichtete und dem Prinzip der „form follows function“ folgte, machte auch außerhalb Wiens von sich reden.

Auch die Budapester Belegschaft zog wenige Jahre später in ein modernes, neu erbautes Verkaufshaus um und erhielt zugleich die völlige Unabhängigkeit von der Wiener Zentrale.

Vor der Hausfront des Budapester Verkaufshauses stehen zwei offene elegante Automobile
Blick auf das Budapester Verkaufshaus 1924.
 In der großen Wagenhalle befinden sich mehrere Busse und Automobile, an denen gerade gearbeitet wird.
Elektro-Diesel, 1963. Die Einbauhalle ist auch für Großfahrzeuge geeignet.

Dem Wachstum dieser Zwischenkriegsjahre und der Präsenz Boschs in Österreich setzte ein weiterer Weltkrieg ein abruptes Ende. Nach Kriegsende wurde die Gesellschaft in Wien unter österreichische Verwaltung gestellt, und erst 1950 nahm die Elektro-Diesel Handelsgesellschaft den Vertrieb der Bosch-Produkte wieder auf. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Gesellschaft weiter, durchlief mehrere Umwandlungen und mündete schließlich in der Gründung der Robert Bosch AG Wien 1982. In Ungarn hingegen wurde der gesamte Bosch-Besitz von sowjetischen Behörden als Kriegsbeute konfisziert und schließlich enteignet. Der ungarische Markt konnte jahrzehntelang nur über Wien versorgt werden. Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde Bosch hier wieder aktiv und gründete 1991 in Budapest die ungarische Bosch-Gesellschaft.

Die Geschichte von Bosch in Österreich und Ungarn ist eine Geschichte von Herausforderungen und letztlich auch Erfolg. Längst haben sich in beiden Ländern erfolgreiche Regionalgesellschaften mit ihren Fertigungen etabliert. Sie sind Schlüsselstandorte für Bosch und einer tiefen Verwurzelung in der regionalen Industrie und Kultur.

Die Partnerschaft, die in so frühen Jahren begann, hatte sich als dauerhaft und fruchtbar erwiesen: ein Zeugnis für das Geschick und die Weitsicht Robert Boschs und seiner Partner.

Autorin: Angelika Merkle

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