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Geschichte

Bosch-Produktion in Frankreich: Premiere in Paris 1905

Blick in den Fabrikhof um 1905, im Hintergrund erhebt sich der Eiffelturm.

Frankreich kann sich rühmen, die erste Bosch-Fabrik außerhalb Deutschlands betrieben zu haben. Das 1905 in Paris eröffnete Werk stellte das damals einzige Produkt von Bosch her, den Magnetzünder, der dem Verbrennungsmotor der frühen Automobile zur notwendigen Zündung verhalf. Frankreich hatte zu der Zeit einen stark wachsenden Automobilmarkt, und der Bosch-Magnetzünder war sehr gefragt. Nach Ende des Ersten Weltkriegs 1918 verlor das Stuttgarter Unternehmen allerdings alle Besitzungen in Frankreich. Zweimal musste Bosch die Aktivitäten in Frankreich neu aufbauen, denn auch nach 1945 lagen die wirtschaftlichen wie politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich buchstäblich in Trümmern.

Auftakt mit Gruppenfoto

Bei der offiziellen Eröffnung der Fabrik in Paris 1905 kamen internationale Bosch-Vertreter zusammen. Robert Bosch sitzt vorn in der Mitte, rechts neben ihm sein englischer Geschäftspartner Frederick R. Simms, links neben ihm Max Rall, der spätere Leiter des Frankreichgeschäfts.
Bei der offiziellen Eröffnung der Fabrik in Paris 1905 kamen internationale Bosch-Vertreter zusammen. Robert Bosch sitzt vorn in der Mitte, rechts neben ihm sein englischer Geschäftspartner Frederick R. Simms, links neben ihm Max Rall, der spätere Leiter des Frankreichgeschäfts.

Die Geschichte der Bosch-Fertigung in Frankreich beginnt anlässlich der Automobilausstellung in Paris 1905: Bosch-Vertreter aus ganz Europa waren zu dieser Großveranstaltung angereist. Aus Stuttgart war der Unternehmensgründer selbst gekommen. Als man sich zum Gruppenfoto versammelte, war jedoch ein anderes Ereignis der Anlass, das für die Entwicklung von Bosch weitaus wichtiger war. Die französische Bosch-Vertretung, die Compagnie des Magnétos Simms-Bosch, lud zur feierlichen Einweihung einer Fabrik in der Pariser Rue Violet. Damit fiel der Startschuss für die erste Bosch-Auslandsproduktion überhaupt.

Eine Erfolgsgeschichte und ihr vorläufiges Ende

Blick in den Fabrikhof um 1905, im Hintergrund erhebt sich der Eiffelturm.
Blick in den Fabrikhof um 1905, im Hintergrund erhebt sich der Eiffelturm.

Sechs Jahre zuvor hatte Robert Bosch zusammen mit dem britischen Ingenieur Frederick R. Simms die Compagnie des Magnétos Simms-Bosch gegründet. Die geschäftliche Vereinbarung sah folgendes vor: Bosch brachte die Patente, Simms das Kapital ein. Außerdem übernahm Simms die Geschäftsführung. Zunächst importierte die Compagnie die Produkte. Um eine Produktion vor Ort zu ermöglichen, entsandte Bosch einen seiner besten Mitarbeiter nach Frankreich: Max Rall. Dieser hatte schon als Lehrling bei Bosch großes technisches Know-how erworben. Im Juni 1906 übernahm Bosch alle Anteile der Pariser Firma, ab 1907 die Société des Magnétos Bosch in Paris.
Als im August 1914 der Erste Weltkrieg Krieg ausbrach, war die Erfolgsgeschichte der Compagnie des Magnétos Bosch zunächst beendet. Zusammen mit anderen deutschen Mitarbeitern musste die Leitung der Firma nach Deutschland zurückkehren. Die Vertretung wurde 1918 unter Sequesterverwaltung des französischen Staates gestellt und die Fabrik sofort enteignet. Der Krieg hatte zu tiefe Narben hinterlassen, um gleich wieder deutsche Firmen in Frankreich anzusiedeln.

Ein fürstliches Angebot

Die Fabrikhalle des Gemeinschaftsunternehmen Lavalette-Bosch in St. Ouen bei Paris, 1931
Die Fabrikhalle des Gemeinschaftsunternehmen Lavalette-Bosch in St. Ouen bei Paris, 1931

Erst 1930 konnte Bosch, zusammen mit dem Industriellen Henri de Lavalette, ein neues Werk in Frankreich eröffnen. Der mit Robert Bosch fast altersgleiche Graf war Pionier der Magnetzünder-Industrie in seinem Heimatland und besaß seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts Verbindungen in Stuttgart. Und Bosch fasste Ende der 1920er Jahre den Entschluss, in den Abnehmerländern selbst zu produzieren. So auch in Frankreich.
Die Verhandlungen mit Graf Lavalette liefen rasch und reibungslos. Bosch beteiligte sich an der „Société des Ateliers de Construction Lavalette“ mit 50 Prozent, die Lizenz für die Herstellung und den Vertrieb von Bosch-Produkten war beschlossene Sache. 1930 lief in dem Pariser Vorort St. Ouen in der neuen, stattlichen Fabrik in der Avenue Michelet die Produktion von Kraftfahrzeugteilen wie Magnetzündern, Hörnern, Scheibenwischern, Lichtmaschinen, Scheinwerfern und Einspritzpumpen an, aber in Zusammenarbeit mit der Bosch-Tochterfirma Point Bleu wurden auch Radio-Lautsprecher, Radiogehäuse und -empfänger gefertigt. Im Süden, Osten und Norden Frankreichs richtete das Unternehmen „Lavalette-Bosch-Dienste“ ein.

Neustart nach 1945

Ein Bosch-Kundendienstfahrzeug vor historischer Kulisse in Rodez

Die Freundschaft überdauert

Von der abermaligen Enteignung nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich Bosch dank der anhaltenden, freundschaftlichen Verbindungen mit den französischen Partnern schnell wieder erholen und war fortan auf Expansion ausgerichtet.
Mit der Gründung der eigenen Regionalgesellschaft, Robert Bosch France, 1962 übernahm Bosch zunächst in Châtillon bei Paris seine Vertriebstätigkeiten in die eigene Hand, die seit 1966 in St.Ouen konzentriert sind. Im Bereich der Diesel-Produktion gründeten ebenfalls 1962 Lavalette und Bosch zusammen mit der Firma Précision Mécanique Labinal das gemeinsame Unternehmen „Les Constructeurs Associés S.A.“ (LCA), das Bosch 1964 erwarb. Durch diesen Schritt sind neben anderen Werken auch das Werk Rodez in den Besitz von Bosch gekommen, das bis heute zur größten Bosch-Produktionsstätte in Frankreich angewachsen ist. 1974 vergrößerte Bosch wegen der steigenden Nachfrage seine Kapazitäten im Dieselbereich mit dem Kauf des Reihenpumpenherstellers Sigma Diesel und dessen Werk in Vénissieux.

„Wir halten am Kurs fest und sind weiterhin vom langfristigen Potenzial des französischen Marktes überzeugt.“
Heiko Carrie, Präsident der Robert Bosch (France) SAS

Großer Arbeitgeber und wichtiger Markt

Die neue französische Bosch-Zentrale, die auch noch nach fast 90 Jahren in St. Ouen angesiedelt ist.
Die neue französische Bosch-Zentrale, die auch noch nach fast 90 Jahren in St. Ouen angesiedelt ist.

In den 1980er Jahren hatte sich Bosch mittlerweile an fünf Standorten zur Produktion von Kraftfahrzeugtechnik (Rodez, Vénissieux), Pneumatik- und Hydraulikkomponenten (Rumilly, Bonneville) und Autoradios (Mondeville) zu einem der größten deutschen Arbeitgeber in Frankreich entwickelt.
Und auch in den letzten Jahren hat sich Bosch in Frankreich mit innovativen Produkten und Produktionsmethoden für die Zukunft neu aufgestellt.

Und die Entwicklung in dem westeuropäischen Land geht weiter. Mit innovativen Produkten und Produktionsmethoden hat sich das Unternehmen für die Zukunft neu aufgestellt. So arbeitet Bosch z.B. zusammen mit Partnern an dem Prototyp eines autonomen Zugs für Reisende. Ein anderes Beispiel ist das von Bosch am Standort Rodez initiierte Projekt des FresH2-Brennstoffzellensystems, das bereits erste Straßentests unter realen Einsatzbedingungen durchgeführt hat.

Damit ist Bosch in Frankreich nicht nur für die Zukunft gut aufgestellt, sondern leistet zudem trotz der momentan herausfordernden wirtschaftlichen Situation einen wichtigen Beitrag für Bosch.

Vera Dendler

Aufnahme Vera Dendler

Seit 18 Jahren bin ich im Unternehmensarchiv der Robert Bosch GmbH tätig mit den Verantwortungsbereichen Foto- und Kunstsammlung, Bildredaktion, Veranstaltungsorganisation, Autorin und Aufarbeitung der Geschichte von Bosch in Frankreich, Benelux, Italien und der Türkei. Nach meinem Studium der Kunstgeschichte habe ich u.a. die Foto- und Filmsammlung des Stadtarchivs Stuttgart geleitet.

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